Seelische Gesundheit in der Grünen Branche - Erfahrungen. Herausforderungen. Perspektiven.
Mit unserem Symposium am 21. und 22.05.2026 ab 12:00 Uhr im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin machten wir die seelische Gesundheit in der Grünen Branche erneut zum Thema.
Einleitende Worte
Die Grüne Branche steht vor großen Herausforderungen. Im Ziel besteht Einigkeit: Möglichst viele Betriebe der Grünen Branche sollen eine tragfähige Zukunftsperspektive behalten oder neu entwickeln können.
Immer mehr wird erkannt, dass das soziale Gleichgewicht der Menschen in der Grünen Branche ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Die SVLFG sieht dies als Chance und erkennt den Gestaltungswillen vieler Betriebe sowie die Potenziale. Gleichzeitig sind die tiefgreifenden Belastungen und Herausforderungen im Blick, die der angestrebte Wandel mit sich bringen kann: ökonomische Unsicherheiten, mangelnde Planungssicherheit, fehlende gesellschaftliche Anerkennung, Zeit- und Erfolgsdruck. All das kann sich unmittelbar auf die mentale Gesundheit auswirken. Themen wie Erschöpfung, Burnout und Suizidalität treten immer häufiger in den Vordergrund. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, arbeitet die SVLFG zusammen mit Partnern an zukunftsorientierten Lösungen.
Das Symposium soll ein Forum für Austausch und Vernetzung sein. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zu fördern und gemeinsam Wege zu finden, wie mentale Gesundheit als wichtiger Teil einer zukunftsfähigen Betriebsführung gestärkt werden kann.
Schirmherrschaft
Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Alois Rainer übernimmt die Schirmherrschaft für dieses Symposium.
"Die psychische Gesundheit von Landwirtinnen und Landwirten rückt zu Recht immer mehr in den Fokus. Denn die Zunahme von Erkrankungen aufgrund von Überforderung, Burn-out, Ängsten oder Depressionen muss uns alle besorgen. Ein offener Austausch über diese Probleme und das Vorstellen von Hilfsangeboten liegen mir daher besonders am Herzen. Darum habe ich gerne die Schirmherrschaft für das Symposium übernommen", so Bundesminister Alois Rainer.
Agenda
Zu Wort kamen sowohl Betroffene als auch Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medien, Politik, Berufsstand, Sozialversicherung und Beratungsorganisationen.
| Zeit | Programm |
|---|---|
| 12:00 – 12:45 Uhr | Come together an den (bereits geöffneten) Marktständen |
| 12:45 – 13:00 Uhr | Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden Henner Braach, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau |
| 13:00 – 13:30 Uhr | Grußworte BM Alois Rainer, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (Schirmherr) Nikola Steinbock, Vorstandssprecherin der Landwirtschaftlichen Rentenbank |
| 13:30 – 14:00 Uhr | Psychische Gesundheit im landwirtschaftlichen Beruf: Ergebnisse einer österreichweiten Vergleichsstudie mit der Allgemeinbevölkerung und Analyse von Risikofaktoren Mag. med. vet. PhD Viktoria Neubauer, Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety and Innovation |
| 14:00 – 14:15 Uhr | Pause |
| 14:15 – 15:15 Uhr | Suizidprävention gemeinsam denken – Wissen bündeln
|
| 15:15 – 15:45 Uhr | Vorstellung der Marktstände |
| 15:45 – 16:30 Uhr | Pause mit Marktstandbesuch |
| 16:30 – 17:15 Uhr | Suizidprävention – die Perspektive der Angehörigen nach Suizid
|
| 17:15 – 18:00 Uhr | Vorspeisenbüfett und Netzwerken rund um den Marktplatz |
| 18:00 – 18:45 Uhr | Gesunder Generationsübergang: „Die Jungen zu Wort kommen lassen“ Gesprächsrunde zum Thema Generationswechsel und Betriebsübergabe: Was brauche ich, um in eine gesunde, gute Zukunft starten zu können? Laura Stolley |
| 18:45 – 19:30 Uhr | „Werkzeugkasten für den Generationswechsel“ Podiumsdiskussion Hans-Benno Wichert, Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e. V. Lars Ruschmeyer, Bund der Deutschen Landjugend e. V. Dr. Andreas Quiring, Andreas Hermes Akademie im Bildungswerk der Deutschen Landwirtschaft e. V. MD Isabel Kling, Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Baden-Württemberg Michael Holzer, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (Moderation) |
| ab 19:30 Uhr | Abendessen |
| Zeit | Programm |
|---|---|
| 08:45 – 09:15 Uhr | Ankommen am Marktplatz |
| 09:15 – 09:45 Uhr | Personenzentrierte Beratung Impulsvortrag Prof. Dr. Hugo Mennemann, Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen |
| 09:45 – 10:30 Uhr | Wie kann personenzentrierte Hilfeleistung gemeinsam gelingen? Podiumsdiskussion Hartmut Schneider, Bundesarbeitsgemeinschaft Familie und Betrieb e. V. Ute Volquardsen, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Dr. Marco Streibelt, Deutsche Rentenversicherung Bund Jörg Heinel, Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Prof. Dr. Hugo Mennemann, Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen (Moderation) |
| 10:30 – 11:15 Uhr | Pause rund um den Marktplatz |
| 11:15 – 12:00 Uhr |
|
| 12:00 – 12:45 Uhr | Pause mit Imbiss rund um den Marktplatz |
| 12:45 – 13:15 Uhr | Gute Arbeitsgestaltung als Faktor für mentale Gesundheit |
| 13:15 – 14:00 Uhr | Berichte aus der Praxis:
|
| 14:00 – 14:15 Uhr | Abschluss Juliane Vees, alternierende Vorsitzende der Vertreterversammlung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau |
Unsere Vortragenden
Fragen und Antworten mit...
Véronique Barbat, Mutualité sociale agricole (MSA)
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich bin Mitglied des Teams der Arbeitsmediziner, die als technische Berater der Mutualité sociale agricole (MSA, landwirtschaftlicher Zweig der französischen Sozialversicherung) tätig sind.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Unsere technischen Ärzteberater sind beispielsweise an der Ausbildung von Arbeitsmedizinern, Fachkräften und Präventionsberatern der MSA beteiligt; wir engagieren uns auch in der Moderation und Begleitung des beruflichen Netzwerks der Arbeits- und Gesundheitsschutzdienste der MSA.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Sie sind in der Regel verschiedenen beruflichen Risikofaktoren ausgesetzt.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Wir möchten über das Präventionsprogramm der MSA für mentale Gesundheit (programme de prévention du mal-être agricole (PMEA)) informieren und zeigen, dass verschiedene Dienste und Akteure zusammenarbeiten, sowie die Rolle der Arbeits- und Gesundheitsschutzdienste der MSA hierbei vorstellen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Implementierung und/oder Aufrechterhaltung von Arbeitsbedingungen, die die Gesundheit der Arbeitnehmer schützen und die den Fortbestand von Unternehmen gewährleisten.
Fragen und Antworten mit...
Carola Benn, IVPNetworks GmbH
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich bin ein neugieriger Mensch, der durch den Beruf der Psychologin die Möglichkeit gefunden hat, in der Begleitung von Menschen zu lernen und zu wirken. Mein eigenes Wachstum sehe ich als wichtigen Nährboden für die Qualität meiner Arbeit. Demut und Selbstreflexion sind für mich die Grundlage, um meinen Klient:innen auf Augenhöhe zu begegnen.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Seit vier Jahren begleite ich Menschen aus der Grünen Branche akut über die Krisenhotline der SVLFG sowie im Telefonischen Einzelfallcoaching über mehrere Monate. Gemeinsam erarbeiten wir Entlastungsstrategien und ein besseres Verständnis für eigene Belastungen und schwierige soziale Dynamiken.
Persönlich bin ich mit der Grünen Branche familiär verbunden: Mein Großvater musste den Familienbetrieb in Schleswig-Holstein aufgeben, weil er zu klein war, um davon leben zu können.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Als stark überlastend. Politische Rahmenbedingungen, Marktdruck und der Klimawandel lassen oft wenig Entscheidungsfreiheit. Der bürokratische Aufwand wächst und der Schreibtisch gehört selten zu den beliebtesten Orten im Betrieb. Der ohnehin fordernde Beruf trifft dabei häufig auf eine Mentalität, in der Leistung und Funktionieren an erster Stelle stehen. Viele Betriebe sind noch in Familienhand − im besten Fall bedeutet dies gegenseitige Unterstützung, Rückendeckung und Gemeinschaft. Nicht selten bedeutet es stattdessen Druck, festgefahrene Kommunikationsmuster und gegenseitige Frustration.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte auf ein sehr niedrigschwelliges Hilfsangebot aufmerksam machen und deutlich machen, dass es in schwierigen Zeiten Unterstützung gibt. Mir ist wichtig, Mut zu machen, sich Hilfe zu holen – gerade in einem Umfeld, in dem viele gewohnt sind, alles alleine zu tragen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Deutlich weniger Druck wäre mein Wunsch – sowohl von außen als auch von innen. Mehr Entlastung würde vielen ermöglichen, wieder klarer zu denken, Freude am Beruf und dem Leben zu empfinden und handlungsfähig zu bleiben.
Fragen und Antworten mit...
Gabriele Borst, Bayerischer Bauernverband
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich bin ein neugieriger und interessierter Mensch, der sich gerne mit neuen Sachverhalten und Themen auseinandersetzt. Ich liebe Fort- und Weiterbildungen, da ich finde, dass man sich nicht auf einmal „Gelernten“ ausruhen darf, sondern sich immer weiterentwickeln sollte. Verantwortung zur übernehmen ist für mich selbstverständlich. Besonders erfüllt mich die Arbeit mit Menschen: ihre Lebensgeschichte kennenzulernen, sie ein Stück ihres Weges zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, eine gute Lösung oder Klarheit zu finden.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Sowohl meine Mutter als auch mein Vater stammen aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Mein Vater hat seinen elterlichen Betrieb übernommen, aber schon bald die Flächen verpachtet. Den Wald bewirtschaftete er noch selbst und für uns Kinder war es selbstverständlich, dass wir mithalfen. Meine Mutter stammt aus einem Hopfenbaubetrieb. Dort wurde immer eine helfende Hand gebraucht und ich konnte mir so u. a. Geld für mein Studium verdienen. Ich selbst habe Landwirtschaft (Schwerpunkt Betriebswirtschaft) studiert. Viel später dann noch den LL.M (Erbrecht und Unternehmensnachfolge) gemacht. Ich bin seit 31 Jahren beim Bayerischen Bauernverband bayernweit in verschiedenen Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich tätig. Ein weiterer Berührungspunkt sind Seminare und Vorträge sowie der Unterricht an den Landwirtschaftsschulen. Seit zwei Jahren bin ich auch die Leiterin des MontagsTelefons, ein Sorgentelefon für Familien und Menschen im ländlichen Raum.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Die Anforderungen und Herausforderungen steigen, die Arbeitssituation wird komplexer und die Unsicherheit, was die Zukunft bringt, wird bei vielen immer größer − vor allem bei der „älteren Generation“. Hinzu kommen zum Teil erhebliche finanzielle Schwankungen, die man selbst nicht beeinflussen kann. Dies alles bringt die Menschen immer häufiger an ihre Grenzen. Ich stelle aber auch fest, dass eine immer größere Offenheit und Bereitschaft seitens der betroffenen Menschen besteht, diese Themen auch anzusprechen und sich Hilfe zu holen.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Umbrüche, Konflikte und Ängste gehören zum Leben. Ausschlaggebend ist, wie wir damit umgehen. Auch für schwierige und herausfordernde Situationen und Lebensphasen gibt es Lösungen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Ich wünsche allen Menschen auf den Betrieben, dass sie wieder mehr ihre eigenen Stärken und Leistungen erkennen und wieder ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Gleichzeitig sollte die Gesellschaft diese Leistungen stärker wahrnehmen und wertschätzen.
Fragen und Antworten mit...
Kirsten Brandt, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich bin Ostwestfale mit Herz und Verstand. Ich gehe den Dingen gern auf den Grund und suche für Herausforderungen pragmatische Lösungen. Als interdisziplinär ausgebildete Geistes- und Sozialwissenschaftlerin betrachte ich die Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich fokussiere, wo es notwendig ist, und bin offen für Neues. Lebenslanges Lernen gehört zu meinen Maximen.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und war dort aktiv eingebunden.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Die Situation der Menschen in der Grünen Branche ist sehr unterschiedlich. Je nach wirtschaftlicher Ausrichtung und organisationalem Aufbau. Bei einem Großteil herrscht Unsicherheit, was rechtliche Veränderungen und die politische Lage anbelangen. Betriebe befinden sich im Spannungsfeld zwischen einer sich schnell verändernden Welt und langfristig angelegten Prozessen.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte den Blick für Veränderungsmöglichkeiten schärfen. Bei allen Herausforderungen finden sich auch immer Ressourcen auf unterschiedlichen Ebenen. Ich möchte den Blick schärfen für Stellschrauben im Betrieb, die sowohl in den zu gestaltenden Verhältnissen liegen als auch im zwischenmenschlichen Miteinander und der persönlichen Haltung jedes Einzelnen im Betrieb. Beide Seiten sind untrennbar miteinander gekoppelt.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Ich wünsche mir, dass Unternehmen den Mut haben, klare Ziele zu setzen und diese auch formulieren können. Dass es Menschen im Betrieb gelingt, eine gemeinsame Sprache zu finden und unterschiedliche Perspektiven anzuerkennen. Dass Fehler und Konflikte als Chance für Veränderung gesehen werden. Und die hier frei werdende Energie sinnvoll genutzt werden kann. Und ich wünsche mir, dass Veränderungen und Loslassen immer als Option in den Köpfen stattfinden. Zukunft braucht frühzeitige Reflexion, Klarheit und Mut.
Fragen und Antworten mit...
Dr. Christian Hetzel, iqpr GmbH
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich komme aus der Wissenschaft und habe die Anwendung in der Praxis im Blick. Mein Thema ist Gesundheit, vor allem im betrieblichen Kontext.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Seit vielen Jahren bin ich mit der SVLFG verbunden. Ich darf Daten auswerten, Neues ausprobieren und mit engagierten SVLFG-Profis zusammenarbeiten. Es geht dabei stets um Gesundheit in der Grünen Branche: um Betriebsübergabe, um Stärkung pflegender Angehöriger, um Prävention von Demenz, um gute Angebote der SVLFG und jüngstens um Suizidalität. Beeindruckt bin ich von der Nähe der SVLFG zu den Versicherten und von der SVLFG als Verbundträger, was einzigartig für die soziale Sicherung in Deutschland ist.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Krank wird man, wenn unter anderem ein dauerhaftes Missverhältnis aus Anstrengung und Belohnung besteht. Menschen in der Grünen Branche investieren sehr viel Zeit und Mühe, in der Regel aus einer tiefen Überzeugung und oft aus langer Tradition. Aber Anforderungen steigen, gesellschaftliche Anerkennung schwindet, viele kleine Betriebe geben auf. Das hat Folgen für die seelische Gesundheit.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte Zahlen und Fakten zur Thematik einbringen und damit die Diskussion anregen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Dass diese Menschen die ihnen zustehende Anerkennung erhalten.
Fragen und Antworten mit...
Margret Hospach, Dipl. Sozialpädagogin
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Als Familientherapeutin interessieren mich systemische Zusammenhänge. Frieden und Wertschätzung sind mir wichtig. Ich arbeite an einer Familienberatungsstelle und bin Referentin für Seminare zur Betriebsübergabe und Betriebsaufgabe mit dem Schwerpunkt persönliche und familiäre Aspekte.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Die Grüne Branche ist mir sehr nah und vertraut. Ich stamme selbst von einem Bauernhof und bin seit über 35 Jahren beruflich mit Seminaren und Beratungsgesprächen in dieser Branche tätig. Schwerpunkte sind die persönlich-emotionale Seite bei Betriebsübergaben und -aufgaben sowie das Generationenmiteinander in der landwirtschaftlichen Familie. Die Grüne Branche braucht’s zum (Über-)Leben.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Die Grüne Branche ist im Umbruch. Der Grad an Autonomie und Selbstgestaltung nimmt ab, stattdessen wird durch eine Vielzahl an Vorschriften und durch enorme Bürokratie viel Energie gebunden und Berufsbegeisterung gehemmt. Auch die Uneinschätzbarkeit und die Komplexität der Marktlage führen zu Verunsicherung und lassen die Leute bei der Zukunftsplanung vorsichtiger werden. Die Auswirkungen der Belastung haben sich m. E. von der körperlichen Überarbeitung zur psychischen Beeinträchtigung verschoben. Die jungen Leute, die heutzutage einen Betrieb übernehmen, sind sich dieser anspruchsvollen Situation bewusst. Sie zeigen ein hohes Maß an Flexibilität und Engagement, sich auf diese veränderte Situation einzustellen, und reagieren darauf kreativ und innovativ. Die Gefahren sind groß, sich dabei zu übernehmen.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Bewusstsein schaffen, wie die zunehmenden und oft nicht erkannten Belastungen in der Landwirtschaft sich auf den Gesundheitszustand der dort tätigen Menschen auswirken. Eine Talk-Runde mit der jungen Generation soll Handlungs-Notwendigkeiten aufzeigen, die bereits im präventiven Bereich ansetzen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Dass ihre Begeisterung für die Arbeit in der Grünen Branche anhält und sie die notwendige Wertschätzung erfahren für ihre ökologische und gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Vor allem aber wünsche ich ihnen einen sorgsamen Umgang mit ihrer Gesundheit und ausreichend Unterstützung, um diese stabil zu halten.
Fragen und Antworten mit...
Prof. Dr. phil. Hugo Mennemann, Fachhochschule Münster
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Interessiert an der Haltung und an dem Leben anderer Menschen, strukturiert im Denken und interessiert an konstruktiven Prozessen.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Alle meine Vorfahren und die meisten meiner Verwandten kommen aus dem ländlichen Bereich. Ich habe Mitarbeitende der SVLFG im Bereich Care und Case Management geschult und schätze die innovative, authentische und engagierte Arbeit der SVLFG im Team um Michael Holzer sehr.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Uneinheitlich, angespannt und gesellschaftlich kontrovers diskutiert.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Verständnis für die Lebenssituation von Menschen in der Grünen Branche stärken und anwendbares Wissen für eine personenzentrierte Beratung vermitteln.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Bessere Rahmenbedingungen und in der Öffentlichkeit eine größere Wertschätzung der Tätigkeit der Menschen auf den Betrieben für Natur, Tiere und Menschen.
Fragen und Antworten mit...
Viktoria Neubauer, FFoQSI GmbH
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich habe eine positive und lösungsorientierte Grundhaltung und möchte mit meiner Tätigkeit etwas Gutes für die Umwelt, die Tiere und die Menschen bewirken. Und ich bin ein großer Kuh-Fan − sie sind wahnsinnig spannende und entspannte Tiere.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Als Tierärztin mit Schwerpunkt Rindergesundheit bin ich eng mit dem viehhaltenden Sektor verbunden. In meinen Forschungsprojekten habe ich mich bereits mit unterschiedlichsten Themen entlang der gesamten Lebensmittelkette beschäftigt – von der Milchviehfütterung über die Eutergesundheit und Rohmilchqualität bis hin zur Käseproduktion – stets in engem Austausch mit den Erzeugern.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Die Branche steht vor erheblichen systemischen Herausforderungen: Landwirte sind mit hohen bürokratischen und politischen Hürden konfrontiert, während die gesellschaftliche Anerkennung der Grünen Branche weiterhin zu gering ist.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es vielen Menschen in der Landwirtschaft derzeit nicht gut geht. Statt zu stigmatisieren oder wegzuschauen, müssen wir die Probleme derjenigen, die die Rohstoffe für unsere täglichen Mahlzeiten produzieren, ernst nehmen und sie aktiv unterstützen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft den Wert von Lebensmitteln – und damit die Arbeit derjenigen, die sie erzeugen – wieder bewusst wahrnimmt und wertschätzt. Menschen in der Grünen Branche sollten den Respekt erfahren, den sie verdienen, damit sie ihre Arbeit mit Motivation und Stolz ausüben können. Denn sie sichern die Grundlage unseres täglichen Lebens.
Fragen und Antworten mit...
Prof. Dr. Nathalie Oexle, Universität Ulm
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Analytisch, neugierig, empathisch und von einem starken Gerechtigkeitssinn geleitet.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Beruflich bewege ich mich in der Wissenschaft, doch privat schlägt mein Herz für das Grüne: Aufgewachsen in einem kleinen Dorf zwischen Wiesen und Wäldern, ist die Natur für mich bis heute der wichtigste Ort für Rückzug und Erdung.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Ich nehme die Branche in einem starken Spannungsfeld wahr: Hoher Leistungsdruck und wirtschaftliche Sorgen treffen auf eine tief verwurzelte Tradition. Besonders bei Krisenfällen zeigt sich, wie untrennbar Beruf und Privatleben hier verwoben sind.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Mein Vortrag soll helfen, das Thema Suizid zu enttabuisieren und die Perspektive der Hinterbliebenen sichtbar zu machen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Ich wünsche ihnen den Mut und die Freiheit, psychische Belastungen ohne Scham auszusprechen, sowie ein Umfeld, das ihnen in Krisenzeiten die nötige Zeit und Unterstützung zugesteht.
Fragen und Antworten mit...
Heidi Perzl, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Wie ich bin? Ein positiv denkender Mensch, der immer versucht, das Beste aus einer Situation zu machen und sich nicht unterkriegen lässt. Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiterlaufen – das ist mein Lebensmotto. Auch würde ich von mir behaupten, dass ich eine gute Zuhörerin bin, mit echtem Interesse für jeden und jede in der jeweiligen Situation da sein möchte – beruflich und privat.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Ich bin selber in einer kleinen Landwirtschaft aufgewachsen. Es gab so ziemlich alles an Tieren bei uns, von Milchkühen über Schweine, Gänse, Puten, Hühner, auch einen großen Gemüsegarten, mehrere Obstgärten, Fischweiher – wir waren quasi Selbstversorger. Wir halfen als Kinder täglich auf dem Hof mit, weil unsere Mithilfe auch erforderlich war – aber schön war‘s. Bei meiner Arbeit im Telezentrum der SVLFG habe ich täglich Menschen aus der Grünen Branche am Telefon, leider sind das meist sehr belastete Menschen.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Leider erlebe ich die Menschen sehr besorgt, auch immer mehr junge Menschen. Was mich sehr traurig macht, ist, dass dieser schöne und für uns alle so wichtige Beruf vielen Menschen keine Freude mehr macht – und es meist dann sogar so weit geht, dass sie auch die Lebensfreude verlieren. Aber durch wenig Wertschätzung für ihren Beruf und ihre Produkte, durch eine Marktsituation, die viele Betriebe ans Limit bringt, durch Druck und Kritik von allen Seiten ist es kein Wunder, dass viele Betriebe nicht mehr positiv in die Zukunft blicken und auch viele Betriebe nicht mehr von der nächsten Generation übernommen werden und aufgeben.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte zeigen, dass die SVLFG, im Speziellen das Telezentrum, in dem ich tätig bin, verständnisvoller und vertraulicher Ansprechpartner für Menschen aus der Grünen Branche ist, die sich in einer Belastungssituation befinden und Hilfe suchen. Diese Arbeit ist für mich eine absolut wichtige und sinnstiftende Tätigkeit, wo ich für mich selber denke, da bin ich genau richtig.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Dass sie wieder mit mehr Freude ihre Betriebe bewirtschaften können und dass sie für sich selber und ihre Familien wieder ohne Sorgen in die Zukunft blicken.
Fragen und Antworten mit...
Nadine Sänger, iqpr GmbH
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Gesundheitswissenschaftlerin aus Leidenschaft. Vorwiegend im Bereich Reha, aber auch Prävention. Außerdem überzeugte Wahl-Kölnerin, neugierig, begeisterungsfähig − gleichzeitig überlegt und strukturiert, weshalb ich mich in wissenschaftlichen Methoden zu Hause fühle.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Außer in meiner eher ländlichen Heimatregion treue Kundin der Direktvermarktung zu sein, in der Vergangenheit ehrlicherweise nicht. Seit meiner Tätigkeit beim iqpr bin ich aber sehr froh über die Zusammenarbeit mit der SVLFG, da die Branche und die Menschen so besonders sind und meinem persönlichen Arbeitsalltag eine tolle Abwechslung bereiten.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Der vorherrschende Druck aus verschiedensten Ecken, unter dem die Landwirt:innen stehen, wird schnell deutlich. Gleichzeitig zeigen die Gespräche und Rückmeldungen aus der Branche, dass die Menschen den starken Anforderungen mit hohem Tatendrang und Leidenschaft entgegenstehen. Das finde ich toll und ich wünsche mir, dass die Resilienz der Menschen weiterhin so gestärkt werden kann, dass diese Waage nicht kippt.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Die Landwirtinnen, mit denen ich in Kontakt war, sind absolute Powerfrauen. Ich möchte einen Eindruck dessen weitergeben und aufzeigen, wieso es von großem Wert ist, sie weiter in ihrem Tun zu unterstützen und zu schützen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Das optimale Maß aus Regen und Sonnenschein, sowohl auf dem Feld als auch in ihrem Alltag.
Fragen und Antworten mit...
Prof. Dr. Barbara Schneider, LVR-Klinik Köln und Leitung des NaSPro
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich entwickle gerne Neues und bringe Projekte verlässlich zum Abschluss. Dabei setze ich konsequent auf Zusammenarbeit. Kooperation ist für mich wichtig und zentral.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Ich komme nicht direkt aus der Grünen Branche. Allerdings bin ich auf dem Land aufgewachsen und hatte dadurch stets Berührungspunkte mit Menschen, die im Haupt- oder Nebenerwerb in diesem Bereich tätig sind. Diese Nähe hat mein Verständnis für die Herausforderungen und Lebensrealitäten der Grünen Branche nachhaltig geprägt.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Ich nehme die aktuelle Situation als sehr herausfordernd wahr. Viele Betriebe stehen unter hohem wirtschaftlichem Druck, während gleichzeitig die gesellschaftlichen Erwartungen – etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit, Tierwohl und Umweltschutz – steigen. Hinzu kommen Unsicherheiten durch äußere Rahmenbedingungen, ein hoher administrativer Aufwand, steigende Kosten sowie Abhängigkeiten von Wetter und Klima. Menschen in der Grünen Branche haben eine sehr hohe Arbeitsbelastung und wenig Freizeit.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland vorstellen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, in dem Expertinnen und Experten der Suizidprävention mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten. Konkret bedeutet das für die Arbeitsgruppe „Grüne Branche“, dass Akteurinnen und Akteure aus der Branche gemeinsam mit Fachpersonen der Suizidprävention Maßnahmen entwickeln und deren Umsetzung voranbringen. Ein zentrales Anliegen ist mir dabei die Botschaft: Suizidprävention ist möglich.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Ich wünsche mir mehr Planungssicherheit, gesellschaftliche Wertschätzung und faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Zudem hoffe ich, dass die Menschen in der Grünen Branche ihre Betriebe zukunftsfähig weiterentwickeln können. Im Hinblick auf die Suizidprävention ist mir besonders wichtig: Menschen sollen wissen, dass es in Krisen Hilfe gibt.
Fragen und Antworten mit...
Dr. Ingrid Titzler, PRIVATKLINIK REGENA Bad Brückenau und Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Ich bin Psychotherapeutin und Wissenschaftlerin und als diese Brückenbauerin mit Leidenschaft in Forschung, Lehre und Praxis. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Versorgungssituation seelisch belasteter Menschen zu verbessern.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
„Mit uns im Gleichgewicht“ – ganz unter diesem Motto habe ich 2017-2025 mit einem großartigen Team im Auftrag der SVLFG ein Forschungsprojekt zur Evaluation von telefon- und internetbasierten psychologischen Gesundheitsangeboten für Landwirte, Förster und Gartenbauer geleitet.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Es gibt eine Vielzahl an psychosozialen Belastungsfaktoren und Einflussfaktoren auf das berufliche Tun, welche nicht immer beeinflussbar sind… Deshalb sind maßgeschneiderte psychologische Gesundheitsangebote als Vor-Ort- oder digitale Maßnahmen wichtiger denn je in der Grünen Branche − denn seelische Gesundheit zählt!
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Ich möchte über die evidenz-basierten psychologischen Gesundheitsangebote bei der SVLFG informieren – wir konnten mit langjährigen Studien zeigen, dass ein telefonisches Einzelfallcoaching wirksam depressive Beschwerden reduzieren und erfolgreich für die Versicherten der SVLFG implementiert werden kann.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Ich wünsche den Menschen Wertschätzung und Anerkennung für ihre Arbeit von der Gesellschaft. Und ich wünsche ihnen, dass sie weiterhin untereinander soviel Zusammenhalt erfahren und füreinander da sind. Zuletzt wünsche ich ihnen das gelebte Motto: „Jeden Tag zu funktionieren, funktioniert auf Dauer nicht. Gönn Dir eine Auszeit!“
Fragen und Antworten mit...
Juliane Vees, alternierende Vorsitzende der Vertreterversammlung der SVLFG und Sprecherin der AG Suizidprävention in der Grünen Branche
Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Juliane Vees, 60 Jahre, Mutter, Partnerin, landwirtschaftliche Unternehmerin, Energiebäuerin, vielfältig ehrenamtlich engagiert vom Kreis- bis auf Bundesebene, alternierende Vorsitzende der Vertreterversammlung der SVLFG.
Stehen Sie in einem besonderen Bezug zur Grünen Branche ― wenn ja, in welchem?
Als Energielandwirtin und leidenschaftliche Bäuerin engagiere ich mich ehrenamtlich seit vielen Jahren für landwirtschaftliche Familien. Ob beim Bauernverband, den LandFrauen und Unternehmerinnen oder bei der SVLFG – mich für die Menschen in der Landwirtschaft einzusetzen und Lösungen für aktuelle Probleme zu finden, ist mein Antrieb. Es ist mir ein großes Anliegen, die sozio-ökonomische Beratung deutschlandweit voranzutreiben. Gerne nutze ich dazu meine über viele Jahre aufgebauten Netzwerke Richtung Politik, Verbänden und Institutionen und stelle diese in den Dienst der Sache.
Wie nehmen Sie die momentane Situation der Menschen in der Grünen Branche wahr?
Die Erwartungen der Gesellschaft, wie auch die herausfordernden Rahmenbedingungen weltweit, verunsichern die Menschen in der Grünen Branche. Es bestehen große Abhängigkeiten vom Weltmarkt, die sich in den hohen Kosten für Betriebsmittel und sinkenden Einnahmen für landwirtschaftliche Produkte widerspiegeln. Der stetige Ausbau von Bürokratie, schnell wechselnde gesetzliche Auflagen und das negativ empfundene Image der Landwirtschaft beeinträchtigen die Menschen auf den Höfen. Konflikte innerhalb der Familie und zwischen den Generationen, Trennungen, Stress durch lange Arbeitstage mit wenig Pausen und körperliche wie seelische Belastungen sind die Folge.
Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
Als Sprecherin in der AG Suizidprävention „Grüne Branche“ innerhalb des NaSPro darf ich viele Gruppierungen aus der Grünen Branche vertreten. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass Themenfeld „Suizid“ aus der Tabuzone zu holen, aufzuklären und den Betroffenen und deren Familien zur Seite zu stehen. Immer mit dem Ziel, „vor die Welle“ zu kommen und Menschen, die ihr mentales Gleichgewicht verloren haben, Hilfe anzubieten. Wir wollen zukünftig in der AG mithilfe der fachlichen Professionen adäquate Lösungen erarbeiten, um mit passgenauen Präventionsangeboten noch früher anzusetzen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Menschen auf den Betrieben wünschen?
Dass sie sich selbst nicht aus den Augen verlieren und gemeinsam mit ihren Familien im Gespräch bleiben! Die mentale Gesundheit ist zentral wichtig, um die vielfältigen Belastungen in der Landwirtschaft zu verkraften und dauerhaft zu tragen. Hier muss der Spruch gelten: „Der Betrieb muss der Familie dienen, nicht die Familie dem Betrieb!“ … und ja, als Bäuerin weiß ich, wie schwer das ist! Machen wir uns also gemeinsam auf den Weg, um das „Gleichgewicht“ im Miteinander und mehr Selbstfürsorge bei den Menschen auf unseren landwirtschaftlichen Betrieben zu fördern.