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Psychische Belastungen und Hilfsangebote im Fokus

22.05.2026

Vergrößerung des Bildes für Bundesminister Alois Rainer spricht an einem Pult.
Bundesminister Alois Rainer sprach als Schirmherr des Symposiums ein Grußwort

Beim Symposium „Seelische Gesundheit in der Grünen Branche – Erfahrungen. Herausforderungen. Perspektiven.“ der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) am 21. und 22.05.2026 in Berlin forderten die Teilnehmenden politische Weichenstellungen für Prävention, gelingenden Generationenübergang und psychosoziale Stabilität.

Die SVLFG brachte im Rahmen ihrer Kampagne „Mit uns im Gleichgewicht“ Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Beratung und Praxis zusammen, um über psychische Belastungen in der Grünen Branche, Präventionsansätze und die Zukunft von Familienbetrieben zu diskutieren. Das Symposium machte deutlich: Die Zukunft der Grünen Branche hängt unmittelbar von der seelischen Gesundheit der darin tätigen Menschen ab. Die SVLFG wird ihre Präventionsarbeit daher weiter ausbauen. Sie setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Politik, Wissenschaft und Praxis, um die psychosoziale Stabilität von Familienbetrieben und der in der Grünen Branche Tätigen nachhaltig zu stärken.

Schirmherr der Veranstaltung war der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Alois Rainer. In seinem Grußwort zu Beginn erklärte er: „Psychische Gesundheit darf kein Tabuthema sein – auch nicht auf dem Hof, im Stall oder auf dem Feld. Gemeinsam mit allen Beteiligten arbeiten wir daran, Präventionsangebote auszubauen. Zugleich setze ich mich dafür ein, Ursachen zu bekämpfen und die Arbeitsbedingungen unserer Landwirte zu verbessern, etwa durch mehr Planungssicherheit, die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und konsequenten Abbau von Bürokratie. Landwirte verdienen unsere Wertschätzung. Ich will ihnen die Sicherheit geben, die sie brauchen.“

Psychische Gesundheit als zentraler Erfolgsfaktor
Die 2019 von der Bundesregierung eingesetzte „Zukunftskommission Landwirtschaft“ hatte es klar formuliert: Betriebe brauchen eine tragfähige Zukunftsperspektive – ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Die SVLFG sieht darin eine Chance und erkennt den Gestaltungswillen vieler Betriebe. Gleichzeitig macht sie auf die tiefgreifenden Belastungen aufmerksam, die der strukturelle Wandel mit sich bringt: Ökonomische Unsicherheiten, mangelnde Planungssicherheit, fehlende gesellschaftliche Anerkennung sowie hoher Zeit- und Erfolgsdruck. Diese Faktoren wirken unmittelbar auf die mentale Gesundheit. Themen wie Erschöpfung, Burnout und Suizidalität treten zunehmend in den Vordergrund. Untersuchungen aus Österreich, Frankreich und Deutschland zeigen übereinstimmend: Psychische Belastungen und Suizidalität sind in der Grünen Branche höher als in der übrigen Bevölkerung. Die zentrale Botschaft des Symposiums lautet daher: In Krisen gibt es Hilfen. Suizidprävention ist möglich.

Suizidprävention und Hilfenetzwerke im Fokus
Im Themenblock „Suizidprävention gemeinsam denken – Wissen bündeln“ verdeutlichten Fachbeiträge aus Frankreich, Deutschland und Österreich die Dringlichkeit des Themas. Eindrucksvoll berichteten auch Angehörige über Belastungen nach einem Suizid in der Familie. Die SVLFG stellte den Aufbau eines Hilfenetzwerks für seelisch belastete Menschen heraus. Das Ziel: Versicherte frühzeitig zu erreichen, bevor Belastungen chronisch werden – mit Gesundheitsangeboten, Beratung, Mentoring und Coaching. „Gemeinsam sind wir in den letzten drei Jahren deutlich vorangekommen. Wir haben Interventionen entwickelt sowie erprobt und beginnen, sie in unsere Lebens- und Arbeitswelt zu integrieren“, so SVLFG-Vorstandsvorsitzender Henner Braach. Zudem hat die Arbeitsgruppe „Suizidprävention in der Grünen Branche“ unter dem Dach des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro) gezeigt, wie sektorenübergreifende Zusammenarbeit gelingen kann.

Generationswechsel als Zukunftsaufgabe
Ein weiterer Schwerpunkt des Symposiums war der Generationenübergang. Junge Betriebsübernehmende formulierten, was sie für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Betrieb benötigen. In der Podiumsdiskussion „Werkzeugkasten für den Generationswechsel“ wurde deutlich: Politik, SVLFG und Bildungsträger müssen gemeinsam Anreize schaffen, damit die finanzielle Förderung von jungen Unternehmern und Unternehmerinnen künftig mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten gekoppelt wird.

Beratung und Hilfsangebote
Der zweite Tag widmete sich der Frage, wie Beratungssysteme so gestaltet werden können, dass sie die Lebensrealität von Familien, Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der Grünen Branche wirklich erreichen. Sinnvolle Kooperationen mit anderen Sozialversicherungsträgern, Verbänden und Organisationen sollen und müssen eingegangen werden. Die Evaluationen zu Einzelfallcoaching, sozioökonomischer Beratung und Frauencoaching zeigten: Niedrigschwellige, zielgruppengerechte Angebote wirken – und sie werden stark nachgefragt.