Körperschutz bei Pflanzenschutzarbeiten

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind Gefahrstoffe und sind daher mit besonderer Sorgfalt zu handhaben. 

Worauf aus Sicht des Anwenderschutzes zu achten ist, erfahren Sie im Folgenden.

Bild: Traktor mit Pflanzenschutzgerät auf dem Feld im Einsatz
Anwenderschutz: Traktor mit Pflanzenschutzgerät

Pflanzenschutzmittel dürfen nur von „Sachkundigen“ angewendet oder verkauft werden. Diese Qualifikation ist Voraussetzung für den sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. 

Ein typischer Unfall mit PSM ist der Augenspritzer beim Anmischen. Langzeitfolgen durch unsachgemäßen Umgang können schwere Körpererkrankungen sein.

STOP-Prinzip

Gehen Sie beim Pflanzenschutz nach dem STOP -Prinzip vor und schützen Sie Ihre Gesundheit bzw. minimieren Sie mögliche Belastungen.

Das STOP – Prinzip legt die Reihenfolge fest, in der gesundheitsförderliche und schützende Maßnahmen ergriffen werden sollten. 

STOP steht dabei für Substitution, Technische sowie Organisatorische Schutzmaßnahmen und Persönliche Schutzmaßnahmen, wie das folgende Schema verdeutlicht.

Schema: Hierarchie der Schutzmaßnahmen: STOP
Hierarchie der Schutzmaßnahmen: STOP

Beim Umgang mit PSM sind zuerst die Gebrauchsanleitung und das Sicherheitsdatenblatt des eingesetzten Mittels zu lesen. Sie geben Auskunft über die Risiken und die darauf abgestimmte Persönliche Schutzausrüstung (PSA). 

Die Anforderungen an Schutzausrüstung sind in der Richtlinie des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beschrieben. Diese sieht im Grundsatz immer lange Arbeitskleidung und festes Schuhwerk beim Umgang mit PSM vor. Je nach PSM und Arbeitsschritt kann weitergehende Schutzkleidung erforderlich sein. 

HINWEIS

Informationen zur PSA im Pflanzenschutz finden Sie auf der Internetseite des BVL

Umgang mit PSM

Es wird unterschieden, ob mit einem konzentrierten PSM, einem verdünnten oder einem getrockneten PSM umgegangen wird.

PSA nach Tätigkeiten

Bild: Mann mit Schutzbrille und Ärmelschürze mit Kanister zum Einfüllen von Pflanzenschutzmitteln
Anwenderschutz Ärmelschürze

Beispielsweise kann bei dieser Tätigkeit folgende PSA zum Einsatz kommen:

  • Augen/Gesichtsschutz
  • Ärmelschürze
  • Lange Arbeitskleidung
  • Geschlossene Sicherheitsschuhe
  • Schutzhandschuh Pflanzenschutz

Bild: Traktor mit Pflanzenschutzgerät auf dem Feld im Einsatz
Anwenderschutz: Traktor mit Pflanzenschutzgerät
Beispielweise kann bei dieser Tätigkeit folgende PSA zum Einsatz kommen:
  • Geschlossene Traktorkabine (Empfehlung Kat. 3 oder 4) 

Beim Ausbringen bieten Pflanzenschutzkabinen nach der Sicherheitsnorm EN 15695 Kategorie 3 oder 4 Schutz vor Pflanzenschutzmitteln.

- Kategorie 1: Kabine, die keinen Schutz vor Staub und    Pflanzenschutzmitteln(PSM) bietet.
- Kategorie 2: Kabine, die nur vor Staub schützt.
- Kategorie 3: Kabine, die vor Staub und flüssigen PSM schützt.
- Kategorie 4: Kabine, die vor Staub, flüssigen PSM und deren Dämpfen schützt.

  • Lange Arbeitskleidung
  • Einmalhandschuhe im Traktor z.B. um verstopfte Düsen zu reinigen
  • Geschlossene Sicherheitsschuhe

Erfolgt das Ausbringen ohne Fahrzeug z. B. mit einem rückengetragenen Pflanzenschutzgerät ist von einer höheren Belastung auszugehen. Daher ist ein besonderer Schutz erforderlich.

Beispielsweise kann bei dieser Tätigkeit folgende PSA zum Einsatz kommen:

  • Lange Arbeitskleidung
  • Augen-/ Gesichtschutz
  • Schutzkleidung Pflanzenschutz (Pflanzenschutzanzug)
  • Gummistiefel
  • Schutzhandschuh Pflanzenschutz
  • Atemschutz

Bild: Hände mit Handschuhen bei Pflegearbeiten im Weinberg
Pflegearbeiten im Weinberg mit Handschuh
  • Lange Arbeitskleidung
  • Schutzhandschuh GR nach ISO 18889
  • Festes Schuhwerk

In der PSA-Datensammlung des BVL sind zertifizierte Produkte aufgeführt, für welche Zwecke sie sich eignen und wer die Hersteller und Vertreiber sind. Das BVL sieht die Marktübersicht als Serviceangebot auf Basis einer Herstellerabfrage, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Mehr zu Schutzhand­schuhen

Bild: Hände mit Handschuhen bei Pflegearbeiten im Weinberg
Pflegearbeiten im Weinberg mit Handschuh

Erfahrungsgemäß sind die Hände beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln am stärksten belastet.

Geeignete Schutzhandschuhe werden nach der Sicherheitsnorm ISO 18889 gekennzeichnet. Diese unterscheidet drei Typen: (G = engl. Glove - Handschuh, R = engl. Re-entry - wiederbetreten)

Mehr zu Körperschutz

Der Körperschutz wird ebenfalls entsprechende der zu erwartenden Exposition in drei Typen eingeteilt. 

Dieser wird nach der Sicherheitsnorm EN ISO 27065 gekennzeichnet (C = engl. Clothing - Kleidung)

Mit Ärmelschürze

Die Ärmelschürze in Kombination mit langer Arbeitskleidung kann bei bestimmten Tätigkeiten den Pflanzenschutzanzug (C3) ersetzen.

Hierzu gehören:

  • Ansetzen der Spritzflüssigkeit und Befüllen des Pflanzenschutzgerätes,
  • Befüllen eines Granulatstreuers,
  • Umgang mit behandeltem Saatgut,
  • Reinigen von Maschinen und Geräten,
  • Tätigkeiten außerhalb der Traktorkabine während der Anwendung, z. B. Beheben von Gerätestörungen, Kontrollen oder Maßnahmen an den behandelten Kulturpflanzen.

Atemschutz

Bild: Person in Schutzkleidung mit Gebläse unterstütztem Atemschutzgerät im Gewächshaus 
Gebläse unterstützte Atemschutzgeräte

Insbesondere bei der Ausbringung von PSM in Raumkulturen oder im Gewächshaus ist der Einsatz von Gebläse unterstützten Atemschutzgeräten sinnvoll. Die Belastungen durch den Atemwiderstand der Filtergeräte entfallen und der Tragekomfprt bei der Verwendung von Geräten mit Schutzhauben wird wesentlich verbessert.

Beim Umgang mit PSM sind zuerst die Gebrauchsanleitung und das Sicherheitsdatenblatt des eingesetzten Mittels zu lesen. Sie geben Auskunft über die Risiken und die darauf abgestimmte PSA. 

Gesichtsschutz

Bild: Frau mit Klarsichtvisier als Gesichtsschutz
Gesichtsschutz: Klarsichtvisier

Wird beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln der Augenschutz vorgeschrieben, so ist eine dichtschließende Korbbrille oder ein Gesichtsschutz wie z. B. ein Klarsichtvisier zu verwenden. 

Reparatur und Wartung

Der Einstieg in den Pflanzenschutzbehälter ist mit hohen Gefahren verbunden und daher verboten. Wenden Sie sich für Reperaturarbeiten an Ihre Fachwerkstatt. Weitere Informationen enthält das VDMA Positionspapier zum Thema.