Kraft tanken für Zwei

13.12.2019

Personengruppe bei einer Ehrung
v. l.: Martin Empl, alternierender Vorstandsvorsitzender (SVLFG), Dr. Christian Hetzel (IQPR), Alexander Zugsbradl, Vorstand (Kliniken Bad Bocklet), Julia Schaller (SVLFG), Sebastian Pleick, Kaufmännischer Leiter (Kliniken Bad Bocklet), Staatsministerin Melanie Huml

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) ist für ihr Gesundheitsangebot Pflege-Tandem mit dem Bayerischen Präventionspreis in der Kategorie „Prävention im Alter“ ausgezeichnet worden.


Partner der SVLFG sind neben dem Theresienstift und Roten Kreuz Bad Kissingen der Pflegedienst Wehner und das Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet sowie das Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation (IQPR) in Köln.

Die Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml betonte bei der Vergabe der Auszeichnung am 4. Dezember 2019: „Gerade in der Landwirtschaft wird viel zu Hause gepflegt. Pflegende Angehörige leisten Großartiges. Dabei bringen sie sich selbst häufig an die Grenze der Belastbarkeit und vernachlässigen die eigene Gesundheit. Mit dem Pflege-Tandem hat die SVLFG ein wirklich innovatives Angebot ins Leben gerufen. Die Trainings- und Erholungswoche für Tandems aus pflegebedürftigen Menschen und ihren pflegenden Angehörigen ist eine großartige Möglichkeit zur Stärkung einer besonders belasteten Personengruppe. Dass eine Finanzierung innerhalb der Regelversorgung möglich ist, macht die Sache perfekt.“

Martin Empl, alternierender Vorstandsvorsitzender der SVLFG, beschrieb, worum es bei dem neuen Gesundheitsangebot geht: „Gesundheitsangebote für pflegende Menschen haben wir in der SVLFG seit langem etabliert. Eine Voraussetzung für die Teilnahme ist es bislang jedoch immer gewesen, dass der Pflegebedürftige zuhause bleiben und anderweitig versorgt werden musste. Nicht jede Familie hat aber diese Möglichkeit. Das Pflege-Tandem schließt diese Lücke. Unser neues Angebot ermöglicht es, dass pflegende Menschen und ihre pflegebedürftigen Angehörigen gemeinsam an einer Gesundheitswoche teilnehmen. Während sich die pflegenden Angehörigen in Vorträgen informieren und in Kursen für ihren Pflegealltag daheim stärken, werden die mitgereisten Pflegebedürftigen in einer Tages- oder Kurzzeitpflegeeinrichtung liebevoll und kompetent betreut. All das wäre ohne das herausragende Engagement unserer Projektpartner nicht möglich.“

Das Theresienstift Bad Kissingen stellt jeweils bis zu vier Tages- und zwei Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung. Einrichtungsleiterin Simone Kiefl: „Wir haben das Projekt zum Anlass genommen, die Tagespflege auszubauen. Wir sind sehr froh darüber, weil auch die anderen Bewohner davon profitieren.“

Alexander Kretz, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuz Bad Kissingen, bietet bis zu drei Tagespflegeplätze und organisiert die Fahrdienste. „Wir und unsere Stammgäste freuen uns jedes Mal auf die neuen Gäste. Die Termine sind lange im Voraus bekannt, so dass wir uns darauf einstellen können“, so Kretz.

Der Großteil der Pflege-Tandems nutzt zum ersten Mal solche Einrichtungen. „Vorbehalte werden genommen. So steigt die Chance, dass die Tandems auch zu Hause solche Angebote nutzen, sei es zur regelmäßigen Entlastung oder für den Notfall“, beschrieb Dr. Christian Hetzel von der wissenschaftlichen Begleitung (IQPR Köln) den Nutzen.

Die Teilnehmer der ersten Kurse zeigten sich rundum zufrieden. „Das Angebot war so abwechslungsreich, dass ich keinen Punkt ausgelassen habe“, würdigte Franz Ö. das Programm. Der LKK-Versicherte aus Niederbayern hat mit seiner demenzkranken Frau an einem der ersten Pflege-Tandems teilgenommen. Neu waren für ihn zum Beispiel die Informationen zur Hilfsmittelversorgung, die er dort im Rahmen des angebotenen Pflegekurses bekommen hat. „Es war gut zu erfahren, was es gibt und wie man die Hilfsmittel richtig einsetzt.“ Beruhigend war es für ihn, zu hören, dass der Krankheitsverlauf bei seiner Frau normal ist. „Der Demenzvortrag und die Gespräche mit den anderen Kursteilnehmern helfen mir auch jetzt noch, die Situation besser zu akzeptieren. Bis vor kurzem konnte ich das nicht. Darüber wäre ich selber fast krank geworden. Jetzt weiß ich: Ich kann die Krankheit nicht ändern, es ist, wie es ist.“ In der Gruppe hat sich Franz Ö. wohlgefühlt. Sehr gut getan hat ihm die Bewegung im Freien, vor allem das Nordic Walking.