Eichenprozessionsspinner erkennen und bekämpfen

Die Brennhaare der Raupen sind gesundheitsgefährdend. Nester sollten nur Fachleute beseitigen. 

Raupen des Eichenprozessionsspinner

Der  Kontakt mit den Raupen oder Gespinsten kann schwere allergieähnliche Reaktionen bis hin zu Atemnot auslösen.


Die ab dem dritten Larvenstadium gebildeten Haare (Brennhaare) der Raupen können bei Kontakt an Haut- und Schleimhaut irritative (reizende) Wirkungen (Juckreiz, Ausschlag, Quaddeln, Bläschen der Haut bzw. Entzündungen an Bindehaut und Rachenschleimhaut) sowie Atemnot hervorrufen. Auch von den in Raupennestern vorhandenen Brennhaaren geht eine Gefährdung für den Menschen aus. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, Reizungen beim Menschen auslösen. Durch Thaumetopoein werden bei Hautkontakt (Raupendermatitis) toxisch/allergische Reaktionen hervorgerufen. In schweren Fällen kann die Reaktion in einen lebensbedrohenden anaphylaktischen Schock münden.

"Überlassen Sie das Beseitigen der Raupen und Nester Spezialisten, die strengste Hygiene- und Schutzmaßnahmen einhalten können."

Josef Mennigmann, Mitglied der Vertreterversammlung der SVLFG

Erkennen und handeln

Der Eichenprozessionsspinner hat sich inzwischen deutschlandweit auf dem Land, im Wald und in der Stadt verbreitet.  Seine bevorzugten Lagen sind warme, trockene und lichte Stellen an Eichen am Waldrand. Er befällt auch Einzelbäume in Siedlungsgebieten.

Je nach Wetterlage entwickelt die farblich gut getarnte Raupe bereits ab April eine Unzahl an gefährlichen, mit Widerhaken versehenen Brennhaaren. Die alten Larvenhäute bleiben nach jeder Häutung in den Nestern am Baum oder am Boden. Von den dort verbliebenen Härchen kann noch jahrelang eine Gefährdung ausgehen. Die Raupen bilden bis zu einen Meter lange Nester, leben gesellig und ziehen in langen Reihen zu ihrer Nahrungsquelle, den Eichenblättern. Meist bleibt danach nur noch die Mittelrippe der Blätter übrig. Tagsüber und zur Häutung ziehen sich die Raupen in Nester am Stamm, in Astgabelungen und an heißen Sonnentagen auch am Boden im Baumschatten zurück.

Vor der Arbeit - Bäume auf Befall kontrollieren

Zur eigenen Sicherheit sollte jeder, der in der Nähe von Eichen arbeitet, vorher die Bäume und darunter befindliche Fläche auf Befall kontrollieren. 

Nest des Eichenprozessionsspinners
Nest des Eichenprozessionsspinners

Ist die Eiche befallen, darf dort nicht ohne weitere Schutzmaßnahmen gearbeitet werden. Rechnen Sie auch bei Mäharbeiten und beim Laubblasen damit, dass unter Eichen Brennhaare vorkommen können. Wenn beim Freischneiden ein altes Nest getroffen wird, kann sogar eine sichtbare Wolke aus Brennhaaren aufwirbeln.

Das gilt für Arbeitgeber 

Damit sich Ihre Mitarbeiter nicht aus Unkenntnis in Gefahr bringen, ist eine umfassende Unterweisung, zum Beispiel mit Fotos, nötig.

Legen Sie bei einem Schädlingsbefall die weiteren Maßnahmen fest: Wie wird der Bereich gemieden? Wem wird der Befall gemeldet? Welche Schutzmaßnahmen sollen Ihre Mitarbeiter ergreifen? Wichtig: Die Nester dürfen nicht mit einem Wasserstrahl entfernt oder abgeflammt werden, weil sich die Brennhaare dadurch stark verbreiten. 

 

Und das ist im Ernstfall zu tun

  • Verzichten Sie auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen, wenn Raupennester erkennbar sind.
  • Vermeiden Sie die Nähe von befallenen Bäumen großflächig.
  • Informieren Sie in Siedlungsgebieten und an Waldwegen die Baumeigentümer und die Gemeindeverwaltung.
  • Raupen und Gespinste nicht berühren.
  • Bei Kontakt sofort duschen, gründlich die Haare waschen und Kleidung wechseln.
  • Suchen Sie einen Arzt auf, wenn starke oder andauernde Krankheitssymptome auftreten.
  • Rufen Sie einen Rettungsdienst, wenn schwere Reaktionen wie Atemnot oder Schockzustände auftreten.
  • Überlassen Sie die Bekämpfung den Fachkräften.

Bekämpfung den Profis überlassen

Für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist der Baumeigentümer zwar verantwortlich, die Bekämpfung überträgt er aber sinnvoller Weise spezialisierten Fachleuten. Für diese Spezialisten aus den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Baumpflege, Forst und Schädlingsbekämpfung gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten.

Zu den vorsorgenden Maßnahmen gehört z. B. die Förderung der natürlichen Gegenspieler wie es einige Vögel (z. B. Meisen, Stare, Kuckuck) sind.

Vorsorgend können biologische Mittel (Bacillus thuringiensis-Präparate oder Nematoden) zum Zeitpunkt des Raupenschlupfes aus den Eiern ausgebracht werden. Die Ausbringung muss unter Beachtung vieler Komponenten (wie z. B. Wetter mit Temperatur und Niederschlag; Austrieb der Eichen u. a.) geschehen und ist bis zum 2. Larvenstadium anzuwenden, bevor die Brennhaare ausgebildet werden.

Ab dem dritten Larvenstadium finden mechanische Maßnahmen statt. Sie umfassen die Entfernung der Raupen vom Baum:

Raupen werden mit chemischen oder biologischen Bioziden vorzugsweise zwischen Schlupf und dritter Häutung bekämpft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat dafür verschiedene Produkte genehmigt. 

Beachten Sie beim Einsatz zu Ihrem eigenen Gesundheitsschutz unbedingt die Herstellerangaben. Klären Sie vor der Sprühanwendung, welche räumlichen, zeitlichen und fachlichen Auflagen zum Schutz von Mensch und Umwelt eingehalten werden müssen. Diese Vorgaben variieren je nach Bundesland. 

Nester des Eichenprozessionsspinners werden mit einem Industrie-Staubsauger entfernt
Absaugen der Nester

Die Nester werden mit einem Industrie-Staubsauger der Staubklasse H ggf. mit Vorabscheider entfernt. Die Beutel werden nach der Arbeit in gut verschlossenen Plastikfässern als Sondermüll entsorgt. 

Das Fixieren der Brennhaare/Nester mit Sprühkleber sollte dem Fachkundigen vorbehalten sein: Brennhaare/Nester mit Hilfe von Müllbeuteln vom Baum abnehmen, Beutel fest verschließen und der Entsorgung zuführen.

Professionell schützen

Für die professionelle Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner und ihrer Nester soll durch Barrieremaßnahmen verhindert werden, dass die Haut oder Schleimhaut von Augen, Nase und Mund mit Brennhaaren in Berührung kommt. Persönliche Schutzausrüstungen sind eine Barrieremaßnahme.


Die Gebläse unterstützte Halb- oder Vollmaske mit Partikelfilter TM2P bewahrt davor, die gesundheitsgefährdenden Brennhaare einzuatmen und erleichtert die Atmung wesentlich.

Neben dem Atemschutz sind auch ein Augenschutz, ein Chemikalienschutzanzug mit Kapuzeneinsatz gemäß DIN EN 14605 Typ 4b sowie geschlossenes, leicht abwaschbares Schuhwerk und undurchlässige, mechanisch belastbare Schutzhandschuhe unerlässlich. Bei der Kleidung hat es sich bewährt, die Stoffübergänge mit Klebeband zu schließen. Reinigen beziehungsweise entsorgen Sie zu Ihrem eigenen Schutz nach jedem Einsatz Ihre Schutzausrüstung. So bleiben auch Fahrzeuge und Räume sauber. Zum Entsorgen krempeln Sie den Schutzanzug mit der Außenseite nach innen und verstauen sie ihn in verschließbare Beutel. Zuletzt werden die Atemmaske und die Handschuhe abgenommen. Reinigen Sie die die eingesetzten Arbeitsmittel und Fahrzeuge. Waschen Sie verunreinigte Kleidung bei mindestens 60° C. Setzen Sie an jedem Einsatzort eine frische Schutzausrüstung ein und achten Sie darauf, dass Sie den neuen Schutzanzug nicht über kontaminierte Schuhe anziehen.