Sichere Schafhaltung - Auf der Hut sein

11.11.2019

Schäfer sind den Witterungsverhältnissen besonders ausgesetzt. Wetterschutzkleidung und die passende Persönliche Schutzausrüstung helfen ihnen, gesund zu bleiben.

Für Außenstehende wirkt die Arbeit des Wanderschäfers entspannt. Tatsächlich aber trägt er jeden Tag ganz alleine die Verantwortung für sich und seine Tiere. Umso wichtiger ist es für ihn, gut auf sich selbst zu achten. Tierwirtschaftsmeister Andreas Smietana ist Ausbilder in der Schäferei des Bezirkslehrgutes in Triesdorf. Er zeigt dem Berufsnachwuchs von Anfang an, wie sie sicher und umsichtig arbeiten.

Überqueren von Verkehrswegen

Eine der gefährlichsten Arbeiten der Wanderschäfer ist das Queren von Straßen, Schienen und Gleisen. Gut sichtbare Warndreiecke, Pylone und stehende Fahrzeuge sorgen dafür, dass das Tempo der Verkehrsteilnehmer gedrosselt wird, so dass Menschen und Tiere auf der Straße weniger gefährdet sind. Hilfspersonen in Warnwesten halten den Verkehr so lange an, bis die Herde die Straße vollständig überquert hat. Hütehunde helfen dem Schäfer, die Herde sicher auf die andere Seite zu bringen. Grundsätzlich sollen Herden nicht auf öffentlichen Straßen getrieben werden. Das Überqueren erfolgt nur an übersichtlichen Stellen und bei Tageslicht. Beim Überqueren großer Straßen ist es sinnvoll, die Verkehrspolizei rechtzeitig vorher zu informieren. Sie kann gegebenenfalls den Verkehr regeln. Verunreinigungen werden von den Helfern sofort von der Straße entfernt. Müssen Gleise oder Schienen überquert werden, helfen rechtzeitige Absprachen mit der Bahn oder anderen Betreibern von Schienenverkehrsmitteln. So ist sicher gewährleistet, dass zum Zeitpunkt der Querung keine Züge oder Schienenfahrzeuge unterwegs sind.

Klauenpflege

Nur ausnahmsweise schneidet Andreas Smientana die Klauen einzelner Tiere mit dem Messer von Hand. Die richtigen Handschuhe dafür sind aus schnitthemmendem Material mit mindestens der Schnittschutzstufe 3 (DIN EN 388) beziehungsweise C (ISO 13997). Sobald bei mehreren Schafen die Klauenpflege ansteht, kommt der Klauenpflegestand zum Einsatz. Er ermöglicht gefahrloses Arbeiten in einer ergonomisch sinnvollen Haltung. Wichtig zu wissen: Die frisch geschnittenen Klauen der Schafe sind scharf.

Funktionale Kleidung

Gesundheitsgefährdungen sieht Ausbilder Smietana vor allem in den Witterungseinflüssen, in der Gefahr zu stürzen oder zu stolpern und in dem Risiko, von Zecken oder anderen Insekten gestochen zu werden. Er empfiehlt deshalb, Insektenschutzmittel zu benutzen und legt größten Wert auf eine funktionale und bequeme Arbeitskleidung. Die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalits – kurz FSME – schützt zusätzlich vor der gefährlichen Hirnhautentzündung, die beim Zeckenstich übertragen werden kann. Gebiete, die stark vom Eichenprozessionsspinner befallen sind, müssen Schäfer meiden. Die Brennhärchen der Raupen können heftige allergische Reaktionen auslösen. An sonnigen Tagen achtet er besonders auf einen ausreichenden Sonnenschutz durch einen breitkrempigen Hut, langärmlige Hemden und Hosen sowie Sonnencreme mit UV Schutzfaktor 30 oder höher für die nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien. Schäferkarren oder Wohnwagen bieten an kühlen, regnerischen Tagen eine Möglichkeit, sich unterzustellen oder aufzuwärmen. Um bei einem Unfall nicht hilflos allein zu sein, verlangt Smietana von den Mitarbeitern, dass sie ein funktionierendes Mobiltelefon und einen Verbandkasten dabei haben.

Wanderschäfer gehen und stehen tagtäglich stundenlang. Für sie sind bequeme Sicherheitsschuhe, zum Beispiel der Sicherheitsklasse S3 mit einem guten Schutz gegen Ausrutschen und Umknicken, besonders wichtig. Gegen Verspannungen durch das lange Stehen hilft es, sich auf der Schäferschippe abzustützen. Auch ein klappbarer Einbeinsitz, häufige Veränderungen der Stehposition sowie Dehn- und Lockerungsbewegungen beugen Schmerzen vor.

Umgang mit Mutterschaf und Schafbock

Ruhe in der Herde ist eine gute Voraussetzung für unfallfreies Arbeiten. Auch wenn Schafe sehr gelassen sind, ist es wichtig, Schreck- oder Reizsituationen zu vermeiden. Grundsätzlich erleichtert ein ruhiger, entschlossener Umgang mit den Tieren die Arbeit. Schafböcke oder Mutterschafe, die ihre Lämmer verteidigen wollen, greifen trotzdem manchmal an. Deshalb ist es wichtig, die Zeichen eines Angriffs früh zu erkennen und die Situation rechtzeitig zu de-eskalieren. Smietana rät, Schafböcke nie am Kopf zu kraulen. Sie missverstehen diese Geste als Aufforderung zum Kampf. Außerdem, so der Ausbilder, sollte man einem Schafbock nicht den Rücken zuwenden oder vor ihm flüchten. „Im Zweifel lieber einen Stock in die Hand nehmen und unerschrocken auf das Tier zugehen“. Im Stall werden Zuchtböcke sinnvoller Weise nur über einen Treibgang bewegt oder von erfahrenen Personen am Strick geführt. Tiere, die offensichtlich aggressiv sind, dürfen nicht in der Herde bleiben. Auch für das Verladen oder das Sortieren der Tiere empfiehlt es sich, Treibgänge zu nutzen. Im Triesdorfer Schafstall werden die Tiere von außen gefüttert. Niemand muss dafür in die Herde gehen. Bewährt haben sich begehbare Futtergänge, von außen zu füllende Raufen oder Transportbänder, die das Futter zu den Tieren transportieren. Wer einen mobilen Zaun aufbaut, muss die Spitzen der Stäbe beim Transport von sich weg nach unten richten. Wird ein Elektrozaun aufgebaut, muss dieser entsprechend gekennzeichnet werden.

Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung

Schäfer, die Arbeitnehmer beschäftigen, müssen eine für ihren Betrieb passende Gefährdungsbeurteilung erarbeiten und geeignete Maßnahmen zur Unfallverhütung und zum Gesundheitsschutz daraus ableiten. Wie es geht, lernen LBG-Versicherte in den LUV-Schulungen nach dem Unternehmermodell. Informationen und Anmeldeunterlagen gibt es unter Kurse und Seminare.


Tipp zum Zaunbau- nicht nur für Schafhalter