Festgefahren – was jetzt?

Beim Aktionstag des Maschinenringes Kulmbach lernten die Teilnehmer, wie sie das Festfahren in schweren Böden vermeiden und festsitzende Fahrzeuge sicher bergen.

Wenn die Böden nass und schwer sind, steigt die Gefahr, dass Schlepper oder selbstfahrende Arbeitsmaschinen im Morast stecken bleiben. Maschinenring-Geschäftsführer Werner Friedlein hat deshalb im Rahmen eines Aktionstages die SVLFG-Sicherheitsexperten als Referenten zum Thema „Festgefahrene Fahrzeuge sicher bergen“ eingeladen.  

Gar nicht erst festfahren

Besonders gut hat Friedlein gefallen, dass die SVLFG-Mitarbeiter betonten, wie wichtig die Arbeitsvorbereitung ist, damit es möglichst nicht erst zum Festfahren kommt. Der Maschinenring-Geschäftsführer legt auch selbst großen Wert auf eine ausführliche Mitarbeiterunterweisung vor Arbeitsbeginn. Dazu gehört für ihn auch, jedem Fahrer zu sagen, er solle im Zweifel lieber rechtzeitig abbrechen. „Die Fahrer sollen frühzeitig Hilfe holen anstatt beim ehrgeizigen Versuch, das Fahrzeug aus dem nassen Boden frei zu bekommen, immer tiefer zu versinken.“

Robert Höfer, SVLFG-Präventionsmitarbeiter und Moderator des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, erklärte, wie der Unternehmer vor Arbeitsbeginn eine passende Gefährdungsbeurteilung macht. „Im Anschluss an diese wird er dann zum Beispiel prüfen, ob die Flächen überhaupt befahrbar sind. Er wird die passenden und intakten Abschleppmittel besorgen und dem Fahrer in der Mitarbeiterunterweisung vor Arbeitsbeginn mitteilen, wo er diese auf dem Fahrzeug findet, wo sie angeschlagen werden dürfen und an welche Personen er sich wenden kann, falls er Hilfe braucht“, so Höfer. Informationen zu den Abschleppmitteln und den Anschlagpunkten gibt die jeweilige Betriebserlaubnis der Fahrzeuge.

Abschleppseil die bessere Alternative

„Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Intakte und ausreichend stark dimensionierte Abschleppseile sind an jeder Stelle gleich reißfest. Außerdem sind sie günstiger und leichter. Dadurch sind sie im Fahrzeug einfacher zu verstauen als Ketten“, sagt Höfer. Friedlein bestätigt die Aussage: „Viele Walz- und Transportschlepper führen eine 35-Tonnen-Abschleppschlinge mit. Sie ist nicht schwer und im Ernstfall muss man nicht erst zeitaufwendig suchen und heranschaffen.“

Zugwaage macht Energie sichtbar

Im Praxisteil erlebten die Kursteilnehmer beim Aktionstag, wie ein festgefahrener Schlepper sicher zurück auf festen Boden gebracht wird. Besonders eindrucksvoll fand Friedlein in dem Zusammenhang den Einsatz der Zugwaage: „Als wir auf der Waage sahen, welch enorme Kräfte beim Abschleppen auf die Anschlagpunkte der Abschleppseile einwirken, war allen schnell klar, wie wichtig es sein kann, festgefahrene Fahrzeuge vor dem Abschleppen so gut es geht frei zu schaufeln – auch wenn es eine unbeliebte Arbeit ist.“

Robert Höfer erklärte: „Wenn 40 Prozent des Radradius eingesunken sind, wird das 1,4-fache der Gewichtskraft des Fahrzeuges als Zugkraft benötigt, um es freizuschleppen. Sind dage-gen 80 Prozent eingesunken, benötigt es schon das Fünffache der Gewichtskraft.“ Er gab außerdem den Hinweis, dass stabile Bohlen oder Bleche verhindern können, dass der Schlepper noch tiefer im aufgewühlten Boden versinkt.

Der Bergevorgang selbst verlief mustergültig. „Zunächst wurde die Gefahrenstelle weiträumig abgesichert. Das zur Verfügung stehende Bergefahrzeug war ausreichend stark dimensioniert und der Abschleppende stimmte sich mit dem Abzuschleppenden ab, damit die Fahrzeuge synchron fuhren. So wurde der festgefahrene Schlepper ohne Komplikationen auf festen Boden zurück gebracht“, resümiert Friedlein.

Richtig abschleppen –  darauf kommt es an

Verwenden Sie zum Herausziehen nur ausdrücklich für diesen Zweck zugelassene, ausrei-chend dimensionierte und unbeschädigte Hilfsmittel. Abschleppseile sind wesentlich leichter als Ketten. Das Eigengewicht des Fahrzeugs erhöht sich durch den Widerstand des Bodens merklich. Kalkulieren Sie dies bei der Wahl des Hilfsmittels und auch bei der Auswahl des Anschlagspunktes unbedingt mit ein.

Befestigen Sie die Zugmittel ausschließlich an den vom Hersteller des Schleppers oder der Großmaschine dafür vorgesehenen Anschlagpunkten. Arbeiten sie sorgfältig. Anhängekupplungen sind in der Regel nicht zum Bergen geeignet. Die Daten auf dem Typenschild der Kupplung weisen lediglich auf die Festigkeit der Anhängekupplung selbst hin. Sie sagen nichts darüber aus, wie die Kupplung an der Maschine befestigt wurde und ob diese Befestigung der Belastung beim Abschleppen standhält. 

Sorgen Sie dafür, dass sich keine unbeteiligten Menschen in der Nähe aufhalten. Es wirken tonnenschwere Kräfte auf die Maschinen und auf die Zugmittel. Reißt ein Zugmittel, oder hält ein Anschlagpunkt der Belastung nicht stand, werden unkontrollierbare Kräfte frei. Dann peitschen Zugmittel und schwerste Metallteile durch die Luft. Umstehende Personen sind genauso gefährdet wie die Fahrer selbst. 

Die Fahrer müssen immer Sichtkontakt haben und sich auf eine eindeutige Zeichensprache verständigen.