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Pressemeldung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen

11.05.2016

Borkenkäfer beginnen mit dem Schwärmflug.
Kontrolle der Waldbestände wird zum Gebot der nächsten Zeit

Die Borkenkäfer haben den zu trockenen und zu milden Winter vital überstanden und schwärmen seit den vergangenen warmen Tagen, um ihre erste Brut in der Rinde von Fichten anzulegen. In den nächsten Wochen ist für jeden Waldbesitzer entscheidend, die Fichtenbäume in den eigenen Waldbeständen in kurzen Abständen, wenn möglich wöchentlich, spätestens aber 14-tägig, nach Befallsmerkmalen abzusuchen. Die erste Käferbrut zu erwischen oder entwischen zu lassen, entscheidet über den Umfang der Schäden im eigenen und angrenzenden Wald. Und die waldbaulichen und materiellen Schäden für den Waldbesitzer können in den trockengestressten Fichtenwäldern unserer Region gewaltig werden.

Regen: Im Jahrhundertsommer 2015 konnten sich landesweit die zwei gefährlichsten Fichtenschädlinge, Borkenkäferarten mit dem Namen Buchdrucker und Kupferstecher, prächtig entwickeln. Nach drei erfolgreichen Vermehrungsrunden hat sich der zu Jahresanfang 2015 relativ niedrige Käferausgangsbestand bis Spätherbst 2015 vervielfacht. „Ab Spätherbst und den ganzen Winter über tauchten abgestorbene braune und rote Fichtenkronen in den Waldbeständen auf, sichere Zeichen für einen Borkenkäferbefall“, so Stefan Schaffner, Bereichsleiter Forsten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regen.

Rote Kronen   Kronen färben sich bereits rot, rasche Aufarbeitung notwendig bevor die Masse der Käfer ausgeflogen ist

Großen Respekt und reichlich Lob zollt Schaffner allen Waldbesitzern, seinen Försterkollegen im Bereich Forsten und in den Waldbesitzervereinigungen Viechtach, Regen und Freyung-Grafenau und den Forstunternehmern im Raum, dass die Aufarbeitung der Käferschäden im Allgemeinen sehr zügig und sehr „sauber“ von statten ging. Sauber heißt, dass mit Käfern und Käferlarven befallenes Holz- und Astmaterial so vollständig wie möglich entweder rechtzeitig aus dem Wald gebracht wurde oder gehackt bzw. entrindet wurde. Saubere Forstwirtschaft heißt dieses Prinzip und es ist das einzige wirksame Gegenmittel, um Forstschädlinge wie den Borkenkäfer einzudämmen und flächige Schäden zu verhindern. „Daran mussten sich unsere Altvorderen schon halten, wenn sie an ihre Nachkommen nutzbare Holzvorräte und gesunde Wälder weitergeben wollten“, beschreibt der Förster das weit mehr als 300 Jahre alte Prinzip. Ebenso alt ist aber auch das Wissen von Waldbesitzern und Förstern, dass Mischwälder, die aus mehreren Baumarten zusammengesetzt und ungleichaltrig aufgebaut sind, stabiler und vitaler sind. „Das Schadensrisiko ist im Mischwald deutlich geringer und der Waldbesitzer kann hier die Borkenkäferproblematik viel besser meistern als in Fichtenreinbeständen.“

Warum ist die Lage in diesem Frühjahr 2016 so brandgefährlich?
Viele vitale Käfer und ausgetrocknete, geschwächte Fichtenbestände

„Der Winter war zu mild und über weite Strecken zu trocken. Fast alle Käfer haben die Winterzeit gut überstanden, teilweise nutzten Buchdrucker und Kupferstecher die winterlichen Wärmephasen aus, um weiter im Rindenbast zu fressen.“ Mancher Waldbesitzer fand bei der Aufarbeitung von Käferschadholz im Januar oder Februar sogar quicklebendige Käferlarven unter der Rinde. Für Dr. Dr. habil Gabriele Lobinger, Waldschutzexpertin an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und Stefan Schaffner ist das zwar außergewöhnlich aber nicht ungewöhnlich für die zur Massenvermehrung neigenden Überlebenskünstler Borkenkäfer. Im Spätherbst legte vor allem der Kupferstecher teilweise noch eine letzte verschleppte Brut an und die Larven konnten sich aufgrund der Wärmephasen prächtig entwickeln. „Es wurde zwar viel Schadholz aufgearbeitet, aber es sind noch genügend Käfer in den Beständen“, so die Förster. Und diese machen sich seit den vergangenen warmen, trockenen und vielfach windarmen Tagen auf und beginnen ihr Brutgeschäft. Die Borkenkäfer machen damit den Frühlingsgefühlen alle Ehre.

Borkenkäfer Larven   Vollständig befallener Fichtenstamm mit weißen Larven und den gut sichtbaren Brutgängen

Dies bestätigen auch die Zahlen aus dem Borkenkäfermonitoring der Bayerischen Forstverwaltung (www.borkenkaefer.org). In Borkenkäferfallen überwachen Förster mit Lockstoffen das Schwarmverhalten der Käfer. Seit Ende der letzten Woche und Anfang dieser Woche beginnen sich die Fallen zu füllen. Die für Pfingsten prognostizierte Kältewelle wird das Geschehen zwar wieder etwas verzögern, aber die Käfer werden die nächsten Schönwetterphasen umso intensiver nutzen.

Die Frühjahrswitterung 2016 setzt die Trockenheit von 2015 fort. Die Winterniederschläge konnten die Bodenwasservorräte nicht auffüllen und im April fielen stellenweise sogar weniger als 60 % der normalen Niederschläge. Der Dürremonitor Deutschland vom Helmholtzzentrum für Klimaforschung in Leipzig weist für den Bayerischen Wald seit April für Bodenschichten bis zu 1,8 m Tiefe bereits wieder eine Dürresituation aus. Temperaturen über 20°C führten dazu, dass an vielen Standorten die Fichten bereits früh im Jahr unter Trockenstress leiden. Ohne ausreichende Wasserversorgung können die Fichten kaum Harzfluss in der Rinde produzieren, mit der sie sich gegen einbohrende Käfer wehren könnten. „Die Witterung spielt leider für den Käfer“, so Eduard Karl, Revierförster von Abtschlag.

Je nach Witterung entwickelt sich ein Borkenkäfer in 4 bis 6 Wochen von der Eiablage bis zum Ausflug und dem anschließendem Neubefall. Aus einem Käferweibchen können bei ungestörter Entwicklung nach drei Generationen und Geschwisterbruten rund 100.000 Käfer werden. Anders ausgedrückt reichen die Käfer aus einem befallenen Fichtenbaum aus, um in den Befallswellen der drei Generationen samt Geschwisterbruten bis zu 400 neue Fichten befallen zu haben. Waren es 2015 noch einzelne Bäume oder kleine Baumgruppen, können 2016 ganze Waldbestände zerfressen werden. Entscheidend für die Förster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist es, die immense Vermehrungskraft des Käfers bereits in der ersten Befallswelle zu stoppen. Regelmäßige Kontrolle in kurzen Abständen, die sogenannte Käfersuche, ist für die Förster das Gebot der Stunde für alle Waldbesitzer. Auf das zeitnahe Auffinden möglichst aller neu befallenen Bäume vor dem Ausfliegen der nächsten Käfergeneration kommt es an. „Nicht zu kontrollieren und sich nicht um den eigenen Wald zu kümmern“, bedeutet für Hans Kölbl und Anton Pledl, die beiden Vorstände der Waldbesitzervereinigung Regen daher, „immense wirtschaftliche Schäden für sich und die Nachbarwaldbestände in Kauf zu nehmen. Preisabschläge für das meist verblaute Käferholz bewegen sich meist im zweistelligen Eurobereich“.

Woran sind frisch vom Borkenkäfer befallene Fichten zu erkennen?

Ein frühes und sicheres Zeichen für Borkenkäferbefall, ist feines braunes Bohrmehl. Besonders gut zu erkennen ist das schnupftabakartige Bohrmehl an Rindenschuppen, in Spinnweben, am Stammfuß oder auf Blättern der Bodenvegetation. „Bereits kleine Bohrmehlmengen zeigen einen für den Baum tödlichen Befall an, der Baum muss aufgearbeitet werden“, erklärt Eduard Karl.

Bohrmehl auf Spinnennetz
 

Frisches, schnupftabakartiges Bohrmehl wird beim Einbohren und Anlegen der Brutgänge ausgeworfen. Bis zum nächsten Starkregen ein sicheres Zeichen für Befall.  

Bohrmehl am Stammfuß

Auch verstärkt austretende Harztropfen seien ein Alarmzeichen. Ist der Käfer weiterentwickelt, beginnen sich die Nadeln in der Krone fahlgrau-grün zu verfärben und fallen noch grün zu Boden. Schreitet die Entwicklung noch weiter fort, beginnt sich die Baumkrone braun zu verfärben und Rindenteile fallen vom Stamm ab. Das sind sehr späte Zeichen und die neu entwickelte Käfergeneration ist überwiegend ausgeflogen und befällt neue Bäume. Die Förster vom Amt und die Waldbesitzervereinigungen raten daher ab sofort zu intensiven Kontrolle inkl. Bohrmehlsuche insbesondere von allen Waldorten mit Befall im Vorjahr, von Waldrändern aber auch von gut wasserversorgten Standorten. Bei jedem gefundenen Käfernest und bei jedem Käferbaum sollten die umstehenden Bäume in einer Tiefe von mindestens drei bis vier Baumreihen genau kontrolliert werden. Die Experten raten dringend bei Zweifeln und vor allem bei bereits größeren Nestern lieber einen noch scheinbar grünen Baum zu fällen und unter der Rinde auf Borkenkäferbefall zu prüfen. Besser einen gesunden Baum fällen als einen befallenen übersehen. In derartigen Zeiten muss man als Waldbesitzergemeinschaft zusammenstehen, sich gegenseitig auf Befall aufmerksam machen und auch den Revierförster vom Amt einschalten. Untätigkeit kann in hartnäckigen Fällen zu hoheitlichen Zwangsmaßnahmen (bis hin zur Ersatzvornahme) sowie Bußgeldern führen. Nach der Bayerischen Landesverordnung zur Bekämpfung der schädlichen Insekten in den Wäldern sind die Waldbesitzer zur Kontrolle ihrer Bestände verpflichtet und müssen außerdem Borkenkäferholz aufarbeiten.

Was ist zu tun bei Käferbefall?

Betroffene Bäume sind möglichst schnell aufzuarbeiten und aus dem Wald abzufahren. Die Abfuhr ist wirkungsvoll, wenn der befallene Baum sofort in ein Sägewerk transportiert wird oder wenn er mindestens 500 m vom nächsten Fichtenbestand entfernt gelagert werden kann. Wenn beides nicht möglich ist, wird die Entrindung von Hand und das Verbrennen der Rinde bei geeigneter Witterung, oder im äußersten Fall die fachgerechte Behandlung mit einem zugelassenen Borkenkäferinsektizid durch sachkundige Personen nötig sein. Anfallendes Kronenmaterial, Restholz und bei Kupferstecherbefall auch das Astmaterial sollten zeitnah gehackt werden, kleinere Mengen können bei geeigneter Witterung auch verbrannt werden. Frisches, fängisches Brennholz sollte nicht im Wald gelagert werden. Aber auch bei der Aufarbeitung kommt es auf den Zusammenhalt unter den Waldbesitzern an. Sich unterstützen und gemeinsam nach Lösungen suchen, ist die Devise, denn befallenes Material muss raus aus dem Wald. Dazu ist sinnvoll, sich gegebenenfalls untereinander Lagermöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, sich bei der Aufarbeitung untereinander mit Technik und Ausrüstung auszuhelfen oder zusammen mit der Waldbesitzervereinigung gemeinsam einen Forstunternehmer einzusetzen.

Gesundheit und Arbeitssicherheit stehen bei der Käferaufarbeitung vorne an

Das wichtigste für die Förster vom Amt und den Waldbesitzervereinigungen ist aber, dass jeder Waldbesitzer gesund und unversehrt von der Waldarbeit zu seiner Familie heimkehrt. Unterstützung bei der Aufarbeitung bieten die drei Waldbesitzervereinigungen, die mit erfahrenen und qualitätsbewussten Forstunternehmern mit Waldgesinnung zusammenarbeiten.

Jahre mit hohen Waldschäden sind immer auch Jahre mit hohen Unfallzahlen. „Es ist damit zu rechnen, dass die Unfallzahlen wieder deutlich ansteigen werden“, so Konrad Fischer von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft SVLFG, bei der jeder Waldbesitzer pflichtversichertes Mitglied ist. Unfallursache ist sehr oft ungenügende Ausrüstung und Ausbildung. Käferholz birgt oft zusätzliche Gefahren bei der Aufarbeitung, da oft bereits durch Nadelfall das Gewicht der Krone fehlt, hängen sich Käferbäume oft an anderen Bäumen auf. Eine Forstseilwinde ist hier zum sicheren Arbeiten unbedingt notwendig. Der Umgang mit der Seilwinde bringt aber auch zusätzliche Gefahren. Eine gute Ausbildung ist erforderlich, um die Gefahren zu beherrschen. Bei der Sicherheit punktet die vollmechanisierte Holzernte mit dem Harvester. Beim Einsatz eines Harvesters sinkt die Unfallwahrscheinlichkeit um mehr als 99 % gegenüber der manuellen Arbeit mit der Motorsäge. Bei größeren Mengen oder wenn mehrere kleinere Käfernester gebündelt werden, ist der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll. Bei einem gut vorbereiteten Einsatz und mit erfahrenen Forstunternehmern sind kaum Schäden am Waldboden und am Waldbestand zu befürchten, so die Experten.

Fischer und Schaffner wünschen sich, dass es auch 2016 im Amtsgebiet zu keinem schweren oder gar tödlichen Waldunfall kommt. „Gerade wenn die Zeit knapp ist, weil man beruflich eingespannt ist, wenn man wenig eigene Erfahrungen im Holzeinschlag hat, nicht die richtige Ausrüstung hat oder wenn die Käfermengen die eigenen Arbeitskapazitäten übersteigen, ist es sinnvoll, die Profis mit der richtigen Ausbildung, dem richtigen Werkzeug und guten Maschinen in den eigenen Wald zu lassen“, empfehlen die beiden.

Informationen rund um die Borkenkäferbekämpfung und Unterstützung bei der Aufarbeitung bieten die zuständigen Förster der Reviere Kollnburg, Arnbruck, Achslach, Frauenau und Abtschlag des Bereichs Forsten des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Regen (Telefon: 09921 88260) und die Reviere Schönberg, Mauth, Perlesreuth, Neureichenau und Waldkirchen am Amtsstandort Waldkirchen (Telefon: 08581 206163, http://www.aelf-rg.bayern.de/).

Bei der Aufarbeitung und beim Verkauf des Holzes können die Waldbesitzervereinigungen Regen (Markus Wirsich und Lisa Berndl, Telefon: 09921 9714055, http://www.wbv-regen.de/), Viechtach (Christian Hofherr und Thomas Over, Telefon: 09921 971537, http://www.wbv-viechtach.de/) und Freyung Grafenau (Xaver Hartinger und Michael Grapentin, Telefon: 08551 914898,  http://www.wbv-frg.de/) helfen.

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