Weil vorbeugen besser ist!
Landwirt im Stall trägt eine Atemschutzmaske
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Gesund bleiben bei der Stallarbeit

Mehr als andere Landwirte sind Schweinehalter gefährdet, sich durch Stallstaub eine Erkrankung der Atemwege zuzuziehen oder durch die Arbeit im Stall ihr Gehör zu schädigen.

Feinstaub belastet die Atmungsorgane
Präventive Maßnahmen
Gebläseunterstützte Atemschutzgeräte im Praxistest
Staub anfeuchten
Gehörschutz nicht vergessen
Unfallrisiken für Schweinehalter
Vorsicht vor Güllegasen

 


Feinstaub belastet die Atmungsorgane

Die tägliche Arbeit im Schweinestall belastet die Atemwege vor allem durch nicht sichtbaren Feinstaub in der Luft. Kleinste Staubpartikel dringen beim Atmen bis zu den Lungenbläschen vor und können nicht wieder vollständig ausgeatmet werden.

Der körpereigene Selbstreinigungsmechanismus ist überfordert. Bronchitis, Asthma oder Farmerlunge sind mögliche Folgen - vor allem dann, wenn bereits eine Vorschädigung oder eine familiäre Vorbelastung besteht. Trotzdem muss niemand krank werden! Präventive Maßnahmen, so zeigen wissenschaftliche Studien, helfen, Atemwegserkrankungen vorzubeugen.

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Präventive Maßnahmen

Wichtig ist, rechtzeitig technische und arbeitsorganisatorische Schutzmaßnahmen zu ergreifen und konsequent die passende Persönliche Schutzausrüstung bei der Arbeit zu tragen. Den besten Schutz vor Feinstaub bei der Stallarbeit bietet das konsequente Tragen einer Atemschutzmaske. Der Markt bietet eine Vielzahl von Atemschutzsystemen an.

Beginnend bei den einfachen Fliesmasken, über Halbmasken, bis hin zum motorbetriebenen Gebläsesystem. Wirksamen Schutz bietet bereits das Tragen von Atemschutzmasken ab der Schutzklasse FFP 2. Filter der Schutzklasse FFP 3 durchdringen weniger als 2 Prozent Feinstaub. Ein Ausatem-Ventil erhöht den Tragekomfort erheblich und sorgt bei Brillenträgern dafür, dass die Brille nicht beschlägt.

Fliesmasken sind grundsätzlich nur für einen kurzen Arbeitseinsatz tauglich und müssen dann entsorgt werden. Halbmasken aus Gummi oder Silicon sind abwaschbar und können wiederholt eingesetzt werden. Lediglich die Filtereinheit muss gewechselt werden, sobald sie gesättigt ist.

Der Nachteil beider Systeme: Die Atemluft muss mit der eigenen Lungenkraft durch den Filter gesogen werden. Dies belastet den Organismus und ist für längere Einsatzzeiten nur bedingt möglich - gerade im Sommer, wenn in Schweineställen besonders hohe Temperaturen herrschen können, die das Arbeiten und das Atmen erschweren.

Die Anschaffung von gebläseunterstützten Atemschutzgeräten hat viele Vorteile:

  • Der Schutz der Atemwege vor Feinstaub ist absolut gewährleistet.
  • Haut und Augen werden geschützt.
  • Durch die Gebläseunterstützung entsteht ein leichter Überdruck in der Maske, so dass die Atmung nicht behindert wird.

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Gebläseunterstützte Atemschutzgeräte im Praxistest

Auf dem Schweinehaltungsbetrieb von Hans und Michael Götz aus Ehingen wurden von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft mehrjährige Tests durchgeführt, um festzustellen, welche gebläseunterstützten Atemschutzsysteme für die Praxis besonders geeignet sind. Michael Götz stand dem Thema „Atemschutz bei der Stallarbeit“, schon alleine aufgrund seiner Masterarbeit über Stallstäube, sehr offen gegenüber. Auch nach Abschluss der offiziellen Testphase werden gebläseunterstützte Atemschutzsysteme im Betrieb weiter eingesetzt: „Wir stellen allen, die im Stall arbeiten, die Geräte weiterhin zur Verfügung“, so der Unternehmer.

Er ist vom präventiven Nutzen überzeugt: „Es ist ein deutlicher Unterschied. Seitdem ich das Atemschutzgerät regelmäßig trage, geht es mir nach der Arbeit im Stall deutlich besser als früher“, so seine Erfahrung. Alle getesteten Atemschutzsysteme wurden im Labor geprüft und erfüllten hinsichtlich der Filtrationsleistung und den Leckagewerten die gesetzlichen Anforderungen.

In der täglichen Praxis kristallisierte sich jedoch heraus, dass nicht alle Geräte für jeden Nutzer und für jeden Einsatz gleich gut geeignet sind. Im trockenen Bereich arbeiteten alle Systeme sehr zuverlässig. Wurden die Geräte in Feuchtbereichen eingesetzt, etwa bei Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger, hinterließ dies auf Dauer bei einigen Geräten deutliche Spuren bis hin zum Totalausfall.

Neben der technischen Qualität unterscheiden sich die Geräte auch hinsichtlich Ausstattung und Tragekomfort. Vor allem das Kopfteil entscheidet wesentlich über den praktischen Nutzen. Bei der Bewertung spielte das subjektive Empfinden des jeweiligen Benutzers eine wichtige Rolle. Eine Empfehlung für das eine oder andere Atemschutzsystem kann deshalb nicht pauschal getroffen werden. Entscheidend sind Kriterien wie Einsatzzeit, Einsatzbereich und individuelle Eigenschaften des Trägers. Gerade der Tragekomfort wurde von den Testpersonen oft völlig unterschiedlich beurteilt.

Der Einsatz des Atemschutzgerätes ist nicht nur auf die Arbeit im Schweinestall begrenzt. Soll das Gerät zum Beispiel auch beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln herangezogen werden, muss allerdings die Möglichkeit zum Einsetzen von passenden Filtern gegeben sein.

Fazit: Wer die Anschaffung eines Atemschutzgerätes plant, sollte sich vorab gut informieren und am besten verschiedene Geräte vor dem Kauf testen. Eine Einweisung in das Atemschutzsystem durch den Fachhandel ist unbedingt zu empfehlen. Die SVLFG bietet ihren Mitgliedern eine unabhängige Beratung durch die zuständigen Präventionsmitarbeiter an. Gerade bei allergisch veranlagten Menschen hilft letztlich nur die strikte Kontaktvermeidung zu den Allergenen, die mit Atemschutzsystemen am effektivsten erreicht werden kann.

Neben dem Tragen von Atemschutzmasken helfen auch technische und organisatorische Maßnahmen, Atemwegserkrankungen vorzubeugen. Dazu gehören optimierte Arbeitsabläufe und ein möglichst hoher Automatisierungsgrad bei der Fütterung und der Stallreinigung, um die Aufenthaltsdauer im Stall möglichst kurz zu halten.

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Staub anfeuchten

Anfallende Tätigkeiten im Stall sollten möglichst nicht zur Fütterungszeit durchgeführt werden, da die Feinstaubbelastung in der Luft gerade dann sehr hoch ist. Staubende Futtermittel können mit Öl oder Wasser angefeuchtet werden, um die Belastung zu senken. Eine ausreichende Belüftung sorgt ebenfalls dafür, die Staubbelastung im Stall zu senken.

Die strikte Trennung zwischen Wohnhaus und Arbeitsplatz ist die beste Möglichkeit, Stallstäube nicht in den Wohnbereich zu tragen. Eine Schmutzschleuse mit Dusche und Umkleidemöglichkeit direkt am Stall leistet hier gute Dienste.

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Gehörschutz nicht vergessen

Nicht nur der Staub in der Stallluft kann die Gesundheit nachhaltig schädigen. Auch der Lärm, vor allem zur Fütterungszeit, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Die Lärmbelastung im Schweinestall kann in der Spitze bei rund 105 dB und höher liegen.

Bereits 5 Minuten Aufenthalt täglich reichen, um bei diesem Geräuschpegel das Gehör zu schädigen. Abhilfe schafft das Tragen von Gehörschutz, den es in verschiedenen Ausführungen gibt.

Vom Einwegstöpsel über Mehrwegstöpsel bis hin zum Kapselgehörschutz mit und ohne aktiver Lärmkompensation oder maßangefertigten Gehörschützern (Otoplastiken) gibt es verschiedene Lösungen – je nach Arbeitseinsatz, persönlichem Geschmack und Geldbeutel. Entscheidend neben dem Lärmschutz ist der Tragekomfort, denn ein schlecht sitzender Gehörschutz wird nicht angenommen.

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Unfallrisiken für Schweinehalter

Die gute Botschaft vorneweg: Schweinehalter haben bei der Ausübung ihres Berufs kein höheres Unfallrisiko, als andere Tierhalter.

In der Schweinehaltung ist besondere Vorsicht im Umgang mit Mutterschweinen und Ebern geboten, da Menschen bei der Arbeit mit diesen Tieren immer wieder gebissen oder überrannt werden. Die Verwendung von geeigneten Treibhilfen, wie zum Beispiel Treibschilde oder Treibpaddel, und Absperrungen sowie gut durchdachte und wettergeschützte Verladebereiche sorgen für die notwendige Arbeitssicherheit.

Darüber hinaus sind auch Schweinehalter nicht gefeit vor den Unfallrisiken, die das Arbeiten auf einem landwirtschaftlichen Anwesen immer mit sich bringen kann. Stürzen, Stolpern, Ausrutschen zählen zu den häufigsten Unfallursachen. Rutschhemmende Böden, zeitnahes Reinigen verschmutzter Gänge, geschützte Ablauföffnungen im Gehbereich und gesicherte Bodenöffnungen sowie rutschhemmendes Schuhwerk bei der Arbeit helfen, Unfälle im Schweinestall zu vermeiden.

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Vorsicht vor Güllegasen

Das größte Unfallrisiko besteht für den Schweinehalter beim Reinigen und Entleeren der Güllekeller im Schweinestall. Wird die Gülle umgerührt, entstehen gefährliche Güllegase und im Extremfall Lebensgefahr durch Schwefelwasserstoffgas (H2S).

Tipps zum sicheren Umgang mit Güllegasen:

  • Sorgen Sie deshalb beim Reinigen und Entleeren für ausreichende Belüftung.
  • Halten Sie sich während des Entleerens und Umrührens der Gülle nicht im Stall auf.
  • Schaffen Sie Gasverschlüsse in der Rohrleitung zur Güllegrube.
  • Arbeiten Sie nie alleine und lassen Sie keine Alleinarbeit zu.

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