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Die vier Gase in der Gülle

Jeder Landwirt, jede Bäuerin sollte sich davon überzeugen, dass alle auf dem Hof die Gase in der Gülle kennen.

Schwefelwasserstoff (H2S):

Schwefelwasserstoff ist das giftigste und heimtückischste Gas in der Gülle. Schon ein Atemzug mit Luft, die durch Schwefelwasserstoff vergiftet ist, kann zum Tod oder dauerhaftem Koma führen. In Gülle in Ruhe "versteckt" sich Schwefelwasserstoff zwischen den Wassermolekülen, denen es sehr ähnlich ist (H2S - H2O). Wird Gülle aufgerührt oder abgelassen, entweicht Schwefelwasserstoff in die Luft. Das Gas ist schwerer als Luft, nicht sichtbar und in höheren Konzentrationen nicht riechbar, weil es sofort die Riechnerven lähmt. Schwefelwasserstoff kriecht über den Boden, sammelt sich in Senken und Gruben und tiefer liegenden Gebäudeteilen. Wer zum Beispiel in einem Güllekanal in knöcheltiefer Gülle arbeitet, kann allein durch das Herumgehen tödliche Konzentrationen erzeugen. Bückt sich die Person, um vielleicht ein Werkzeug zu greifen, besteht beim Einatmen akute Lebensgefahr. Vermieden werden kann Schwefelwasserstoff nicht. Lediglich durch Lüften (Zwangsbelüftung) können schädliche Konzentrationen vermieden werden. Vor dem Einsteigen in Gruben und Kanäle sind Lüftungs- und Sicherungsmaßnahmen zwingend vorgeschrieben und H2S-Orientierungsmessungen immer sinnvoll.

Kohlendioxid (CO2):

Kohlendioxid oder korrekter Kohlenstoffdioxid kommt ebenfalls in der Gülle vor. Es gast beständig aus und wird von Bakterien ständig "ausgeatmet". Da es schwerer als Luft ist, bildet es über der Gülle einen Gassee. CO2 wird auch überall dort gebildet, wo organische Substanzen gelagert werden (Hoch-, Tiefsilos, Gärkeller, Kartoffellager). Kohlendioxid wirkt erstickend und lähmend auf das Atemzentrum. Ein CO2-Vergifteter wird deshalb an der frischen Luft nicht von alleine wieder zu atmen beginnen. Er muss beatmet werden. Da CO2 so schwer ist, kann es wie H2S nur mit Gebläseeinsatz vertrieben werden.

Methan (CH4):

Methan ist das leichteste der Güllegase. Es wird ständig von Bakterien produziert und an die Umgebungsluft abgegeben. Es verschwindet rasch in die Atmosphäre, wo es als Klimagas mittlerweile traurige Berühmtheit erlangt hat. Wird Methan in geschlossenen Gruben ohne Lüftungsflächen gefangen gehalten, erreicht es rasch einen Anteil von 4,5 % des Luftvolumens. Dann fehlt nur noch ein Zündfunke, um das Methan-Luft-Gemisch zum Explodieren zu bringen. Gegen zu hohe Methankonzentrationen helfen genügend große, kindersicher ausgeführte Lüftungsroste. Für eine Vierhundert-Kubikmeter-Grube haben sich zwei Roste mit der freien Lüftungsfläche von der Größe von zwei DIN-A4-Blättern als ausreichend erwiesen.

Zerstörte Güllegrube durch Methangas-Explosion

 

Durch Methangas-Explosion zerstört

Ammoniak (NH3):

Ammoniak ist reizend und in größeren Mengen giftig. Weil es Augen, Schleimhäute und Atemwege reizt (Tränenfluss und Husten), meiden Menschen instinktiv höhere Ammoniakkonzentrationen. Sicher kennt jeder den Geruch von Ammoniak, der am besten mit dem von Pferdeurin beschrieben ist. Leider haben die anderen Gase, Methan, Kohlendioxid und vor allem Schwefelwasserstoff nicht diese Warnwirkung als elende Stinker. Der "Faule-Eier-Gestank" von Schwefelwasserstoff ist nur in niedrigsten Konzentrationen zu riechen. Geht das Gas in höhere Konzentrationen, lähmt es zuerst die Sinneswahrnehmung der Nase und tötet dann den Betroffenen oder schickt ihn in die ewige Dämmerung. Damit keiner auf dem Bauernhof Opfer giftiger oder explosionsfähiger Gase wird, bieten die Außendienstmitarbeiter der LBGen (Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaften) einzelbetriebliche Beratungen und Besichtigungen an, die helfen, die Güllegase im Griff zu halten.

Zerstörte Zugmaschine

 

 


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