Unfallverhütung
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Todgefährliche Untugend

Mitnehmen von Kindern auf dem Fahrerplatz ist mehr als gefährlicher Leichtsinn und das Gegenteil von kinderlieb.

"Sagen Sie es meinen Berufskollegen und bitte sagen Sie es ihnen ganz eindrücklich!" Mit diesem Appell wandte sich ein Landwirt und Vater eines vierjährigen Mädchens an den Außendienstmitarbeiter der Land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, der auf den Hof gekommen war, um den Unfall des Kindes zu ergründen.

Die Kleine war auf dem Schoß des Vaters mitgefahren, hatte bei einer Lenkbewegung ans Lenkrad gegriffen, ist hinunter und vors Hinterrad gefallen, überrollt worden und hat überlebt. Durch den am Tag davor gefallenen Regen war die Wiese auf der sich der Unfall ereignete, weich, und sicher hat auch der Schutzengel des Kindes Schwerstarbeit geleistet.

"Kinder dürfen auf keinen Fall einfach so auf dem Traktor mitgenommen werden!", das ist die Botschaft, die der Landwirt den Berufskollegen ans Herz legt.

Die Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft möchte diesen Appell verstärken und erweitern:

Verzichten Sie darauf, Kinder auf Schleppern und anderen Landmaschinen mitzunehmen. Sorgen Sie statt dessen für eine gute Kinderbetreuung. Vorbildliche Dorfgemeinschaften organisieren "Erntekindergärten", so dass "Arbeitsplatz Landwirtschaft" und "Abenteuerspielplatz Landwirtschaft" nebeneinander und nicht durcheinander stattfinden.

Wenn Sie Kinder mitnehmen müssen, dürfen Sie das nur, wenn sichere Mitfahrerplätze vorhanden sind. Sicher sind Mitfahrerplätze dann, wenn die Kinder fest auf ihrem Platz gehalten werden und von dort aus keine Maschinenfunktionen bedienen können.

Besonders gefährlich für Kinder sind alte Traktoren. Sie sehen gemütlich aus, wirken harmlos und sind langsam. Sie stehen auf den Hof und laden zum Mitfahren förmlich ein. Sicherheitstechnisch sind sie aber auf dem Stand der Nachkriegszeit. Besonders der Fußraum für die Kinder weist oft gefährliche Scherstellen auf. Zeigen Sie diese "technischen Altenteiler" unbedingt den Außendienstmitarbeitern der LBG, wenn Sie Kinder mitnehmen wollen.

Neue Gefahren birgt die neue Schleppertechnik mit Getriebe- und Zapfwellenmanagement, mit Komfortschaltung, Neutralstellung, Vorwärts- und Rückwärts-Schaltung und Memoryfunktion. 
Die neuen Schlepper können eine ganze Menge und sollen ihrem Herrn Arbeit und Umständlichkeit abnehmen. 
Sitzt ein Kind auf diesem High-Tech-Produkt, kann es ungewollt gefährliche Betriebszustände erzeugen.

Ein Unfall in Niederbayern, bei dem zwei Mädchen mit fünf und sechs Jahren einen modernen Hochleistungsschlepper und sich selbst samt Vakuumfass in der Güllegrube versenkt haben, ist dafür ein Beispiel.

In die Güllegrube gestürzte Zugmaschine

High-Tech-Maschine von und mit Kleinkindern in Güllegrube versenkt. Trotz angezogener Handbremse und vorschriftsmäßigem Anfahrsockel fährt der 114 PS-Schlepper mit den zwei Kindern in die Güllegrube

Ausriss: Passauer Neue Presse

 

Die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften und ihre Partnerorganistaionen in Österreich, in der Schweiz, in Frankreich und Italien versuchen seit einigen Jahren, ein System zu entwickeln, das Kinder sicher vor fahrenden Landmaschinen schützt und die Fahrer rechtzeitig warnt.

Derzeit gibt es aber noch keine sichere technische Lösung. So liegt die Sicherheit und die Gesundheit der Kinder in der Verantwortung der übrigen Bewohner des Hofes. Hier kann noch einiges verbessert werden.

Die Mitarbeiter der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften freuen sich, wenn sie gerufen werden, um die Kindersicherheit auf landwirtschaftlichen Betrieben zu verbessern.

Dazu gibt es auch viele kostenlose Tipps und eine Checkliste Kindersicherheit.

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