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Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Auch in den "grünen Berufen" treten vermehrt psychische Fehlbelastungen wie z.B. Zeitdruck, Störungen und Unterbrechungen oder Führungsmängel auf. Seit 2013 fordert das Arbeitsschutzgesetz explizit, in die Gefährdungsbeurteilung auch psychische Belastungen einzubeziehen.

Was sind psychische Belastungsfaktoren?
Wann wird eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungsfaktoren notwendig?
Ziel der Gefährdungsbeurteilung "psychische Belastungsfaktoren"
Wie können psychische Belastungsfaktoren ermittelt werden?
Fachkundig ist notwendig
Beurteilungshilfe

Was sind psychische Belastungsfaktoren?

Generell versteht man unter psychischen Belastungen alle Anforderungen aus der Arbeitssituation, die auf die Sinnesorgane, auf Denken und Gedächtnis, auf Konzentration und Aufmerksamkeit oder auf Gefühle und Empfindungen einwirken. Im Gegensatz zum landläufigen Verständnis von psychischen Belastungen geht es also nicht speziell um Themen, die negative Emotionen auslösen. Entscheidend für die Definition psychischer Belastungen ist vielmehr die Wirkungsweise. Körperliche Belastungen wirken z. B. auf Muskeln und Gelenke, psychische Belastungen wirken auf Wahrnehmung (z. B. gute oder schlechte Beleuchtung), Informationsverarbeitung (z. B. leicht zu findende immer aktuelle Informationen oder ständige Arbeitsunterbrechungen) und Emotionen (z. B. Freude über ein Lob oder Ärger über ein kaputtes Arbeitsmittel). Eine Arbeit ohne psychische Belastung ist genauso wenig denkbar wie eine Arbeit ohne jede körperliche Belastung. Wie die Beispiele zeigen, sind psychische Belastungen nicht per se gut oder schlecht, sondern es kommt häufig auf die Ausgestaltung an. Gut gestaltete Arbeitsbedingungen können als Ressource wirken, die die Gesundheit fördern, schlecht gestaltete Arbeitsbedingungen können auf Dauer sowohl die Produktivität senken als auch die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen.

Wann wird eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungsfaktoren notwendig?

Die Ergänzung der allgemeinen Gefährdungsbeurteilung um eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist sinnvoll, wenn arbeitsbedingte psychische Belastungen bisher nicht angemessen beurteilt wurden, wenn seit der letzten Beurteilung wesentliche Änderungen in den Arbeitsinhalten oder der Arbeitsorganisation vorgenommen wurden oder wenn plötzlich verstärkt Hinweise auf das mögliche Vorliegen von psychischen Fehlbelastungen auftreten.

Indikatoren, die auf mögliche Fehlbelastungen hinweisen, sind beispielsweise eine Zunahme von Fehlzeiten und/oder Kündigungen, eine Häufung von Beschwerden, eine Steigerung von Unfällen/Beinaheunfällen etc.

Nicht zuletzt sind gute Arbeitsbedingungen auch ein wirtschaftlich bedeutender Faktor, denn gute Arbeitsbedingungen bedeuten ein Plus an Produktivität und an Attraktivität des Arbeitgebers.

Ziel der Gefährdungsbeurteilung "psychische Belastungsfaktoren"

Bei dieser Gefährdungsbeurteilung geht es darum zu ermitteln, ob die bestehenden Arbeitsbedingungen positiv sind oder ob sie sich negativ auf Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Dabei konzentriert sich die Gefährdungsbeurteilung auf die Beurteilung und Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Es geht nicht darum, die psychische Verfassung von Beschäftigten zu untersuchen.

Wie können psychische Belastungsfaktoren ermittelt werden?

Im Unterschied zu anderen Gefährdungsarten wie Lärm, Vibrationen oder Gefahrstoffe lassen sich psychische (Fehl-)belastungen nicht einfach mit Geräten messen und es gibt auch keine Grenzwerte für die einzelnen Belastungsfaktoren. Für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen werden daher Fragebögen, Beobachtungsinterviews oder moderierte Gruppeninterviews mit den Beschäftigten als Erhebungsmethoden eingesetzt.

Generell werden bei einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen mögliche Belastungsfaktoren aus den vier Kategorien

  • Arbeitsorganisation,
  • Arbeitsinhalt,
  • Arbeitsumgebung/Arbeitsmittel und
  • Soziale Beziehungen

betrachtet.

Fachkundig ist notwendig

Um eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kompetent planen und durchführen zu können, bedarf es gewisser Fachkenntnisse, z.B. über psychische Belastungsfaktoren, die für das Unternehmen relevant sind, über Methoden zum Ermitteln und Beurteilen psychischer Belastungen, über Möglichkeiten, die Arbeit im Unternehen belastungsärmer und effektiver zu gestalten.

Beurteilungshilfe

Wenn die erforderlichen Basiskenntnisse vorhanden sind, kann die Beurteilungshilfe der SVLFG Sie bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen in Ihrem Unternehmen unterstützen. Die Beurteilung der ermittelten psychischen Belastung zielt darauf ab, einzuschätzen, ob Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind und wenn ja, welche dieses sein können.

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