Für mehr Arbeitssicherheit
Gülleausbringung
TV-Beitrag

des Bayerischen Rundfunks zum Thema "Gefährliche Güllegase" 

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Gülle richtig lagern und entnehmen!

Mit Liebe zur Landwirtschaft und großer Kompetenz führt Sebastian Esterl sein landwirtschaftliches Unternehmen in Reisenthal bei Glonn. Für sein besonders hohes Sicherheitsbewusstsein bei der Arbeit wurde der junge Landwirtschaftsmeister wiederholt von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft mit einer goldenen Sicherheitsplakette ausgezeichnet. Besonders zum Tragen kommt sein verantwortungsbewusstes Sicherheitsdenken auch bei der Arbeit mit der ebenso wertvollen wie gefährlichen Gülle. Sebastian Esterl nutzt den Flüssigmist zur Düngung der Wiesen und Felder. Die Heimtücke des gefährlichen Gas-Gemisches, das in der Gülle steckt, behält er bei der Arbeit gedanklich immer im Hinterkopf und handelt entsprechend umsichtig. 

Das stellte er auch jüngst bei den TV-Aufnahmen des Bayerischen Rundfunks unter Beweis. Zusammen mit Wolfgang Lichti (stv. Vorsitzender des Regionalbeirates der SVLFG im Bereich Franken und Oberbayern) und Peter Kratzer (Aufsichtsperson der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft) zeigte und erklärte Sebastian Esterl, worauf geachtet werden muss, damit sich bei der Arbeit mit der Gülle keine Unfälle ereignen.

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Güllelager sind immer gegen Hineinstürzen zu sichern, auch während der Entnahme und des Aufrührens.

Lüftungsgitter sorgen für eine ausreichende Belüftung des Güllelagers und sichern hier auch die Entnahmestelle.

Gut gesichert Feste Sicherung

Vorbildlich gesichertes und belüftetes Güllelager beim Aufrühren der Gülle.

Feste Entnahmestutzen sind die sicherste Lösung, weil dann für das Abpumpen der Gülle überhaupt keine Bodenöffnungen aufgemacht werden müssen. 

Interview Lichti  

Wolfgang Lichti, stv. Vorsitzender des Regionalbeirates der SVLFG, erläutert im Interview mit dem Team des Bayerischen Rundfunks, warum es so häufig zu Unfällen beim Umgang mit der Gülle kommt.

 

Gas-Cocktail im Flüssigmist

„Vor der Gülle, da habe ich Respekt! Wenn ich nur daran denke, dass meinen Kindern oder anderen etwas passieren könnte, weil die Güllegrube nicht richtig verschlossen ist, da läuft`s mir kalt den Rücken runter“, gibt Sebastian Esterl unumwunden zu. Deshalb ist hier für ihn auch oberste Sorgfalt Pflicht: „Bei Arbeiten mit Gülle passe ich immer ganz genau auf, dass alles passt“, so Esterl. Seine Sorge ist nicht unbegründet! Güllegase sind unsichtbar und wirken bereits in kleinsten Mengen wie Nervengift. Sie betäuben den Geruchssinn und lähmen die Atmung. Neben Schwefelwasserstoff befinden sich auch Methan, Ammoniak und Kohlendioxid in der Gülle. Einige dieser Güllegase sind in Verbindung mit einem Zündfunken, wie er zum Beispiel beim Flexen oder Schweißen entstehen kann, hochexplosiv. Offenes Feuer, brennende Zigaretten oder auch „Flexfunken“ bei Mechanikerarbeiten sind in der Nähe von Güllegruben tabu! Verstärkt werden die Wirkungen der Gase durch Umrühren, Pumpen oder ähnliche Arbeiten. Hier ist also besondere Vorsicht geboten.

Vorsicht Gülle: 100 Unfälle in Bayern sind 100 Unfälle zuviel

„Der Landwirt hat kaum Chancen zu erkennen, ab wann er in ernsthafter Gefahr ist. Das macht die Arbeiten an der Güllegrube so gefährlich “, resümiert  Wolfgang Lichti, selbst Landwirt in Markt Schwaben. Sein Rat an die Berufskollegen: Von vornherein die besondere Gefährdung durch die Gülle einkalkulieren und rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Wie, das erklärt Peter Kratzer; Aufsichtsperson der SVLFG: „Die Hauptgefahren bei der Arbeit mit Flüssigmist sind die mögliche Vergiftung, die  Explosionsgefahr, das Hineinstürzen in Güllelager und das Ersticken. Vor allem bei der Lagerung und bei der Entnahme kann es zu gefährlichen Situationen kommen.“ 

Jetzt für Sicherheit sorgen

Die SVLFG rät: 

  • Flüssigmist ist ein wertvoller Naturdünger. Bei Beachtung einfacher Sicherheitsregeln können Unfallgefahren stark verringert werden.
  • Nie ohne Schutzmaßnahmen in Güllelager einsteigen; nie mit offenem Feuer und Funken in der Nähe von Güllelagern hantieren.
  • Deckel, Umwehrungen und Verschlüsse regelmäßig auf Verschleiß prüfen und gegebenenfalls austauschen.
  • Prüfen Sie bei geschlossenen Güllegruben die Deckel auf Befahrbarkeit und Durchtrittsicherheit. Bei Metalldeckeln greifen Rost und Beschädigungen das Material an. Holzabdeckungen vermodern wegen der aggressiven Güllegase schnell. Tauschen Sie schadhafte Abdeckungen rechtzeitig aus.
  • Bei geschlossenen Güllelagern immer für eine gute Belüftung sorgen, insbesondere während des Aufrührens und der Entnahme.
  • Zur Belüftung müssen zwei gegenüber liegende  Deckel mit ausreichend großen Lüftungsgittern vorhanden sein.
  • Güllelager immer gegen Hineinfallen sichern, auch während der Entnahme.

Offene Gruben benötigen eine mindestens 180 cm hohe Umwehrung, zum Beispiel einen Schutzzaun. Solche Zäune altern im Laufe der Zeit. Haltepfosten können abrosten oder brechen. Prüfen Sie die Zäune deshalb regelmäßig und reparieren Sie schadhafte Stellen gewissenhaft. Ein 30 cm hoher Anfahrsockel verhindert das Abstürzen von Fahrzeugen. Die Umwehrung darf nicht übersteigbar sein. Ein großes Sicherheitsplus sind abschließbare Entnahmeöffnungen. Sie ermöglichen das Entnehmen von Gülle, ohne dass gefährliche Öffnungen in der Umwehrung entstehen. Sichere Entnahmeöffnungen verhindern auch, dass Kinder in die Grube gelangen. Ist bei geschlossenen Gruben die Grubenabdeckung geöffnet - etwa bei der Entnahme - muss eine Gittersicherung das Abstürzen verhindern. Feste Entnahmestutzen sind die sicherste Lösung, weil dann für das Abpumpen der Gülle überhaupt keine Bodenöffnungen aufgemacht werden müssen. 

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