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Gewitter
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Sommergewitter - kein Risiko eingehen!

Sommergewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen können binnen weniger Minuten die Ernte eines ganzen Jahres vernichten. Kein Wunder, dass Landwirte und Gartenbaubetriebe ihre Ernte deshalb noch vor einem drohenden Unwetter sicher einbringen möchten. Dabei darf aber nicht vergessen werden, welch tödliche Naturgewalt bei einem Gewitter frei werden kann! Jedes Jahr werden zahlreiche Menschen durch direkten oder indirekten Blitzschlag verletzt oder getötet. Die SVLFG gibt Tipps zum Schutz. 

Blitzeinschlag - ein Kurzschluss zwischen Himmel und Erde

Ein Blitzeinschlag dauert nur wenige Millisekunden. Dabei entlädt sich die Spannungsdifferenz zwischen Gewitterwolke und Erdoberfläche. Stromstärken von bis zu 400 000 Ampere werden erreicht. Die Luft im Blitzkanal erhitzt sich auf über 30.000 Grad Celsius – das ist heißer als die Sonnenoberfläche. Die Luft dehnt sich explosionsartig aus, was wir als Donner wahrnehmen.

Trifft ein Blitz einen Menschen, kann die Spannung im Körper auf einige 100.000 Volt steigen. Je nachdem, wo der Blitz in den Körper eindringt und wie der Strom fließt, können die Folgen variieren. Beispiele sind Verbrennungen, Atemstillstand, Organschäden, Nerven- und Muskellähmungen. Genauso möglich sind Schockzustände, Hirnschäden, Herzkammerflimmern oder Herzstillstand mit Todesfolge.

Indirekter Blitzeinschlag – die verkannte Gefahr

Was viele Menschen nicht wissen: Nicht nur der direkte, sondern auch der indirekte Blitzeinschlag ist lebensgefährlich. Das heißt, wer sich in der Nähe eines vom Blitz getroffenen Objekts, zum Beispiel unter einem Baum oder Masten, aufhält oder leitfähige Gegenstände, zum Beispiel Metallzäune, berührt, ist extrem gefährdet. Schlägt der Blitz in den Erdboden ein, bildet sich um die Einschlagstelle ein sogenannter Spannungstrichter von bis zu 30 Metern. Durch die Schrittspannung - das ist die Spannungsdifferenz zwischen den Füßen  - kann bei Personen innerhalb des Spannungstrichters eine lebensgefährliche Körperspannung entstehen. Das Gleiche passiert, wenn Personen in diesem Spannungstrichter berührt werden. Brennende, explodierende oder herabstürzende Gegenstände können eine weitere Gefährdung darstellen.

Wissen, wie nah die Gefahr ist

Eine einfache Faustregel besagt, dass die Sekunden zwischen Blitz und Donner geteilt durch drei die Entfernung zum Gewitter in Kilometern angeben. Spätestens wenn zwischen Blitz und Donner weniger als zehn Sekunden verstreichen, ist das Gewitter gefährlich nah und man muss damit rechnen, dass ein Blitz in unmittelbarer Nähe einschlägt. Dann muss jeder Aufenthalt, jede Arbeit im Freien abgebrochen und eine blitzgeschützte Stelle aufgesucht werden.

Wo bin ich sicher?

Natürlich ist ein festes Gebäude, das mit einem Blitzschutzsystem ausgestattet ist, der beste Zufluchtsort. Aber auch das Auto, selbst ein geschlossenes Cabrio (Faradayscher Käfig) ist ein sicherer Platz. Unbedingt beachten: Im Inneren des Fahrzeugs keine Metallteile berühren!

Wer im Freien überrascht wird, muss auf jeden Fall alleinstehende Bäume, hohe Türme und Masten, Metallzäune und Gewässer meiden. Es ist wichtig, nie der höchste Punkt zu sein und damit ein unfreiwilliger Blitzableiter zu werden. Am sichersten ist es, sich in einer Bodenmulde in der Hocke zusammenzukauern und die Arme um die Beine zu schlingen. Zu anderen Personen mindestens einen halben Meter Abstand halten, niemanden berühren. Metall leitet besonders gut. Deshalb Objekte und Konstruktionen aus Metall – zum Beispiel alle Arten von Leitungen, Antennen oder Metallgeländern – nicht berühren. 

Linkpfeil Checkliste - Verhaltensregeln bei Gewitter

Erste Hilfe leisten

Es ist ungefährlich, eine durch Blitzschlag verletzte Person zu berühren. Bereits unmittelbar nach dem Einschlag besteht wieder Spannungsfreiheit. Je schneller man zur Stelle ist und hilft, desto größer sind die Überlebenschancen des Verletzten. So schnell wie möglich den Rettungsdienst über den Notruf 112 rufen und Erste Hilfe-Maßnahmen einleiten. Dazu gehören zum Beispiel: den Verletzten ansprechen, Atem und Puls kontrollieren, Brandwunden steril verbinden, stabile Seitenlage, den Verletzten beobachten, beruhigen, trösten und , wenn nötig, auch Herzmassage und Beatmung.

Die besondere Verpflichtung des Arbeitgebers

Arbeiten im Freien sind in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau die Regel. Arbeitgeber sind verpflichtet, geeignete Maßnahmen zum Schutz vor wetterbedingten Gefährdungen am Arbeitsplatz vorzusehen und geeignete organisatorische Schutzmaßnahmen zu treffen. Bei drohenden Gewittern sind Arbeiten oder Veranstaltungen (zum Beispiel Hoffeste) rechtzeitig abzubrechen. Gewitter schicken in der Regel Vorboten: schwüle Luft, schwarze Wolkentürme, aufkommender Wind, erste Donner und Wetterleuchten. Verantwortlich handelt, wer in den Medien auf Unwetter-Warnungen achtet beziehungsweise über Internet oder Smartphone die Meldungen von Blitzinformations- oder Wetterdiensten abruft. Auch wenn es schwer fällt, droht ein Unwetter, muss die Arbeit auf dem Feld abgebrochen oder das lange geplante Hoffest abgesagt werden.  

 Quelle: DGUV und Deutscher Wetterdienst

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