Mehr Sicherheit in der Rinderhaltung
Rinderherde
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Fangstand statt Blasrohr

Nach Teilnahme am SVLFG-Seminar für Rinderhalter strukturierte Tanja Wagner ihre Mutterkuhhaltung um. Ergebnis: Mehr Arbeitssicherheit und ein deutlicher Zeitgewinn.

In der Mutterkuhherde leben Rinder ihr natürliches Verhalten besonders stark aus. Dies gilt vor allem für die Zeit, in der Kälber geboren werden. „Ich hatte oft ein ungutes Gefühl, wenn ich in die Herde musste. Ich war unsicher, wie sich die Tiere mir gegenüber verhalten würden“, erinnert sich Tanja Wagner an die erste Zeit zurück, nachdem sie den landwirtschaftlichen Betrieb und die Herde ihres Vaters übernommen hatte. Musste ein Rind tierärztlich behandelt werden oder sollten die Kälber Ohrmarken bekommen, waren immer Betäubungen mit dem Blasrohr notwendig, die nur der Tierarzt durchführen darf. Ein unsicheres, teures und zeitaufwändiges Verfahren. „Wir mussten einem Kalb Ohrmarken einziehen. Die Betäubung hatte nicht die gewünschte Wirkung. Das Kalb sprang während der Behandlung auf und ich wurde nach hinten geworfen. Dabei habe ich mich derart verletzt, dass ich für längere Zeit nicht arbeiten konnte.“

Erste Maßnahme: Fangfressgitter

So wollte Tanja Wagner nicht weitermachen. „Als erstes habe ich Sicherheitsfangfressgitter einbauen lassen. Damit wurde es möglich, die Tiere sicher zu fixieren“, erzählt sie. Schnell hatten sich die Tiere daran gewöhnt. Die Gitter lassen sich sowohl nach unten als auch nach oben öffnen. Tiere, die den Kopf nicht nach oben bewegen können oder wollen, haben dadurch die Möglichkeit, nach unten zu entweichen, wenn das Gitter entsprechend umgestellt wird. Bereits diese einfache Maßnahme erhöhte die Arbeitssicherheit wesentlich. Aber damit wollte sich die Rinderhalterin noch nicht zufrieden geben.

SVLFG-Kurs als Impuls

Erste Pläne für den Bau eines Treibgangs und einer Fangstation lagen schon vor, als sie durch einen Berufskollegen auf die Seminare zum sicheren Umgang mit Rindern aufmerksam gemacht wurde. „Dieses Seminar war für mich ein echter Glücksfall. Hier bekam ich Antworten auf meine Fragen und Lösungsvorschläge für meine Probleme. Nach dem Kurs habe ich wesentliche Veränderungen angestoßen. Ich habe mein Verhalten im Umgang mit den Tieren verändert und die Pläne für die Baumaßnahmen habe ich noch einmal kritisch geprüft. Seitdem arbeite ich viel sicherer und stressfreier“, erzählt die Rinderhalterin.

Separierbox nach Bauberatung der SVLFG

Tanja Wagner nutzte die kostenlose Bauberatung durch SVLFG-Präventionsmitarbeiter und Tiertrainer Wolfgang Schatz. Er weiß, wie Rinderställe sicher und sinnvoll gebaut werden und kennt die Verhaltensweisen der Tiere. „Wenn die Ställe sowie die Fang- und Treibeinrichtungen dem angeborenen Verhalten der Rinder entgegenkommen und wenn Rinderhalter einige Regeln im Umgang mit den Tieren beachten, fließt die Arbeit ruhig, sicher und in geordneten Bahnen. Das Unfallrisiko sinkt signifikant, die Arbeitseffizienz steigt erheblich“, so der Fachmann.

Im Rahmen der persönlichen Beratung wurde eine Separierbox im Stall eingeplant. Dort werden jetzt nicht nur Tiere, die eine tierärztliche Behandlung benötigen, von der Herde abgetrennt. Sie dient auch dem Verladen, wenn Tiere den Betrieb verlassen. Eine Tätigkeit, die bei Tanja Wagner vor dem Stallumbau oft Stunden dauerte. „Viele Helfer waren beteiligt, immer war es laut, ein großer Stress für Mensch und Tier. Nicht selten war es deshalb auch gefährlich. Jetzt ist selbst das Verladen von jungen Stieren eine Arbeit von wenigen Minuten. Wir machen das zu zweit und in aller Ruhe. Das Tier steht bereits getrennt von der Herde in dem neu geschaffenen Separierbereich, das Tor der Box lenkt das Tier beim Öffnen direkt auf den Hänger und verhindert ein Ausbrechen. Die Beleuchtung ist so, dass sich das Rind orientieren kann und dadurch sicherer fühlt. Dank der im Kurs erlernten Treibetechnik bleiben die zu verladenden Rinder ruhig und gehen zügig auf den Hänger“, beschreibt Tanja Wagner den neuen Arbeitsablauf.

Durch den Fangstand auf die Weide

Um einzelne Tiere auf der Weide sicher fixieren zu können, hat sie eine feste Fangeinrichtung zwischen dem Stall und der Weide eingerichtet. Dieser Fangstand wurde so platziert, dass die Tiere ihn immer passieren müssen, wenn sie auf die Weide oder von dort aus zurück in den Stall gehen. Nach einer kurzen Gewöhnung war das für die von Natur aus neugierigen Tiere kein Problem. Damit es rangniedrigeren Tieren immer möglich ist, dem Ranghöheren auszuweichen, ist um den Fangstand herum genug Platz. Die Herde kann so die Engstelle ruhig und in der für sie passenden Reihenfolge passieren, ohne dass es zu gefährlichen Rangeleien kommt.

Muss an einem Tier gearbeitet werden, wird es beim Passieren der Fangeinrichtung fixiert. Die Arbeiten können ohne direkten Körperkontakt durchgeführt werden.

„Die Arbeit mit den Rindern macht mir durch die baulichen Verbesserungen und durch das neugewonnene Wissen aus dem Seminar wieder Freude. Der Umgang mit den Tieren ist jetzt stressfrei, durch die Veränderungen sparen wir viel Zeit und ich fühle mich bei der Arbeit sicher“, zieht Tanja Wagner ein rundum positives Resümee.

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Fangstand mit fixiertem Rind Der Fangstand wird geöffnet; das Rind kann wieder auf die Weide.

SVLFG Seminare

In den für SVLFG-Versicherte kostenlosen Ganztages-Seminaren „Rinder besser verstehen“ lernen die Teilnehmer unter anderem, wie Rinder ihre Umgebung wahrnehmen, wie sie sich situationsabhängig verhalten und wie eine gute Mensch-Tier-Beziehung aufgebaut werden kann. Durch dieses Wissen bekommen Kursteilnehmer mehr Sicherheit im Umgang mit den Rindern, das Verhalten der Tiere wird für sie vorhersehbarer und das Unfallrisiko sinkt. Ergänzt werden die theoretischen Kursinhalte durch praxisnahe Tipps.

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