Mit der SVLFG gut versorgt
Bernhard Mair
Sie sind hier: Aktuell SVLFG - News Meldungen 2016

Der Unfall hat mich stark gemacht

Einige kennen Bernhard Mair vielleicht schon aus dem Film "Die SVLFG und ihre Leistungen". Unterschenkelamputation infolge Arbeitsunfall  - das Schicksal des jungen Landwirtschaftstechnikers berührt tief im Herzen. SVLFG-Reporterin Petra Stemmler traf Bernhard Mair auf seinem Hof im Allgäu.

Stark habe ihn sein Unfall  gemacht, ist sich Bernhard Mair im Rückblick sicher. Es habe aber gedauert, bis er so stabil war, dass er diese neue innere Stärke nicht nur spüren, sondern auch für sich nutzen konnte: „Direkt nach dem Unfall im Sommer 2014, da war ich schon ein anderer Mensch als jetzt“, räumt der 25jährige Landwirtschaftstechniker ein. Gereizt sei er gewesen, in sich zurückgezogen, voll Unsicherheit und offener Fragen. Wie sollte das nur alles weitergehen? Die geplante Betriebsübergabe schien in weite Ferne gerückt, die privaten und beruflichen Träume waren geplatzt. Die Hoffnung auf ein „normales“ Leben schien Bernhard Mair nach dem Verlust seines rechten Fußes minimal. Immer die gleiche Frage: Warum ich? Er wollte doch damals nur helfen ...

Was damals passierte

„Ein Kollege bat mich, ihm beim Abbau einer landwirtschaftlich genutzten Halle zu helfen. Dabei ist mir ein Metallträger auf den Fuß gefallen und hat so schwere Verletzungen verursacht, dass der Fuß nach mehreren, letztlich erfolglosen Operationen schließlich amputiert werden musste. „So verrückt das klingt, aber nach diesen langen Wochen voller Unsicherheit und Schmerzen war diese endgültige Amputation für mich zunächst wie eine Befreiung – endlich 'vorbei', endlich schmerzfrei“, erinnert er sich zurück. Gleich darauf kam der Schock: „Damit hatte ich nie  gerechnet. Ich war bis zum letzten Moment sicher, dass ich meinen Fuß behalten würde“. Wirklich vorbei war aber natürlich auch nach der Amputation nichts. Es folgten Rehabilitationsmaßnahmen, Rückschläge, eine Infektion in der Wunde, Krücken, Prothesen. Es war ein zermürbendes Auf und Ab - im körperlichen genauso wie im psychischen Genesungsprozess.

Sicher mit der neuen Prothese

Den Durchbruch brachte die in der BG-Unfallklinik Murnau angepasste zweite Prothese. Aus leichtem Carbon und nach modernsten Erkenntnissen aufgebaut führte sie endlich zu dem gewünschten Ergebnis. Wer Bernhard Mair jetzt laufen sieht, muss schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen, dass er eine Prothese trägt. So sicher bewegt er sich durchs Leben.  

Bernhard Mair mit der Prothese aus Carbon    
 

Die Prothese aus Carbon ist federleicht

Mit Unterstützung durch die schwierige Zeit

Durchstehen konnte er die ganze Odyssee durch die medizinischen Erfolge, vor allem aber die Unterstützung durch seine Familie und die Technikerschule in Triesdorf. Dieses Umfeld gab dem jungen Mann wieder Auftrieb. „Meine Familie war immer für mich da. Wir hatten viele Gespräche, wie es weitergehen kann. Mein Bruder, der sich nie für die Landwirtschaft interessiert hatte, half jetzt ganz selbstverständlich im Betrieb mit. In der Technikerschule bekam ich viele Freiheiten, damit ich meine Weiterbildung nicht unterbrechen musste. Meine Triesdorfer Seminar-Kollegen hielten zu mir und so begann ich nach und nach auch meine Freizeit wieder zu gestalten. Psychologische Gespräche halfen mir, wieder eine Lebensperspektive zu bekommen“, erzählt Bernhard Mair rückblickend. Anstrengend sei diese Zeit gewesen. Aber letztlich holte er sich im zähen Ringen sein Leben zurück – Stück für Stück.

Heute arbeitet er selbstständig im Betrieb

Inzwischen kann Bernhard Mair nahezu alle auf dem Betrieb anfallenden Tätigkeiten selber wieder ausführen. Dort, wo die Kraft fehlt und die Prothese ihn einschränkt, helfen technische und organisatorische Maßnahmen weiter: „Der Hoflader nimmt mir das Tragen schwerer Gegenstände auch auf kurzen Strecken ab, Treppen und Arbeitsbühne ersetzen mir die Leiter – das ist ja sowieso viel sicherer. Die Waldarbeit haben wir vergeben – das kostet nicht viel, entlastet mich, schont meine Gesundheit und ich kann meine Zeit gewinnbringender einsetzen. Auch die Häckselarbeiten und die Klauenpflege der Rinder haben wir vergeben", erzählt Bernhard Mair.

Durch eine Umrüstung kann Bernhard Mair wieder Schlepper fahren     
  Durch eine Umrüstung kann Bernhard Mair wieder Schlepper fahren

Neue Hobbies gefunden

Natürlich gibt und gab es auch Phasen der Niedergeschlagenheit. Selbst mit Neid auf vermeintliche materielle „Vorteile“, wie zum Beispiel auf den mit BG-Mitteln umgerüsteten Schlepper, muss sich der junge Landwirt auseinandersetzen. Seine positive Grundstimmung lässt er sich dadurch aber nicht verderben. „Mein Leben ist jetzt anders. Ich komme schneller an meine Grenzen. Ich musste lernen, mit der neuen Situation umzugehen“, erzählt er. „Alte Hobbies, zum Beispiel Fußballspielen, gehen nicht mehr. Aber ich habe stattdessen das E-Bike für mich entdeckt. Fahrradfahren ist ja auch ideal, um den Rücken zu stärken. Die Fehlbelastung der Wirbelsäule (eine Unfallfolge) merke ich schon sehr, da muss ich aktiv dran bleiben, um Schmerzen vorzubeugen“, zählt er auf.

Nach vorne blicken

Die Perspektivlosigkeit der ersten Monate ist nach und nach vollständig einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft gewichen: „Natürlich kann jeden Moment wieder etwas passieren. Das ist aber bei jedem Menschen so“, weiß Bernhard Mair. „Den Betrieb werde ich auf jeden Fall weiterführen. Die Hofübergabe haben wir allerdings etwas hinausgezögert und die Arbeit etwas anders aufgeteilt. Ich kümmere mich zum Beispiel jetzt mehr um die Auszubildenden als vor dem Unfall. Mit einer Beratertätigkeit habe ich mir eine weitere Einkommensquelle aufgebaut. Meine ganze Familie steht hinter mir.“ 

Einschränken lässt er sich nicht

Inzwischen kann Bernhard Mair sogar anderen Betroffenen mit seinen Erfahrungen weiterhelfen. „Mir haben Gespräche mit Menschen, die ebenfalls auf Prothesen angewiesen sind, sehr geholfen. Zu sehen, dass andere dieses Schicksal gut meistern, hat mir die Sicherheit gegeben, dass ich das auch kann“, erzählt er. „Heute stehe ich deshalb Menschen für Gespräche zur Verfügung, die einen Unfall erlitten haben und denen meine Erfahrungen weiterhelfen können. Einschränken lasse ich mich durch den Unfall jedenfalls nicht.“ 

[Druckversion] [Startseite]
© 2017 Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG)