Auch im Notfall gut versorgt
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Reportage über Christian Staab
"Ich lebe ein erfülltes Leben"

Auf dem Weg zur Arbeit erlitt Christian Staab einen schweren Verkehrsunfall. Durch die Hilfe der LBG ist er heute wieder in der Arbeitwelt integriert und kann sein Wissen als Gartenbauprofi vom Schreibtisch aus einbringen.

Gerade eben ist er von draußen hereingekommen. Jetzt schnell noch den Hund füttern, ein letztes Telefongespräch und dann ab ins verlängerte Wochenende -  Christian Staab aus dem unterfränkischen Geroldshausen führt ein erfülltes Leben. Beziehung, Familie, Beruf, Sport, Hobbies.  „Mein Leben ist kostbar“, weiß der heutige Bürokaufmann. Das war nicht immer so.

Was war passiert?

Ein tragischer Verkehrsunfall hatte den jungen Gartenbaugesellen auf dem Weg zur Arbeit jäh ausgebremst. Wie das passieren konnte, kann er sich noch heute nicht richtig erklären. Christian Staab war zu diesem Zeitpunkt ein erfahrener Motorradfahrer, gut geschult und auch auf Rennstrecken zuhause. Der Weg zur Arbeit war nur ein Katzensprung – x-mal schon gefahren. Trotzdem passierte es: Die Straße war feucht, die Maschine kommt auf die Fahrbahnmarkierung, rutscht weg und schleudert gegen ein stehendes Fahrzeug. „Ich lag auf der Straße und dachte nur noch: Rollstuhl.“

Die Vermutung wurde in der Uniklinik Würzburg zur Gewissheit. Durch eine Notoperation konnte die mehrfach gebrochene Wirbelsäule zwar stabilisiert werden, das Gefühl in den Beinen kam aber nicht zurück. Zu dem Zeitpunkt war der Verletzte erst Anfang 20. „Ich wollte die Klinik unbedingt auf eigenen Beinen verlassen“, so Staab. Als aber klar wurde, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen würde, ging es dem jungen Mann zunehmend schlechter. Worte findet er dafür kaum: „Ich wollte mich aus dem Fenster stürzen, so wollte ich nicht leben.“

Auftrieb durch die Reha

Eine erste Veränderung kam im Laufe der Reha. „Schon die ersten Fortschritte haben mir Auftrieb gegeben. Jeden Tag wollte ich jetzt einen Schritt weiterkommen. Ich lernte zunächst zum Beispiel das Leben mit dem Rollstuhl. In Gruppen erkundeten wir die Stadt, lernten Bordsteine und kleinere Stufen zu überwinden. Es gab auch die Möglichkeit, verschiedene Sportarten kennen zu lernen.“ Staab entschied sich für Basketball. „Über den Sport habe ich Menschen kennengelernt, die mit den gleichen Problemen umgehen müssen wie ich. Vieles konnte ich mir bei ihnen auch abschauen.“ In der Reha lernte Christian Staab aber auch Demut und Dankbarkeit: „Vielen ging es viel schlechter als mir. Patienten, die von der Halswirbelsäule ab gelähmt waren – da merkte ich schnell, um wie viel besser es mir ging.“  

Geduld war nötig

Möglichst schnell wollte Christian Staab nach Hause und ein selbstbestimmtes Leben führen. Seine Geduld wurde aber auf eine harte Probe gestellt: Acht Monate Zeit und eine weitere Operation an der Wirbelsäule waren nötig. Diese Zeit nutzten seine Eltern, um alles zu organisieren, was er für sein neues Leben daheim im Rollstuhl brauchte. „Meine Eltern haben mir viel abgenommen. So konnte ich mich vollständig auf das Gesundwerden konzentrieren“, erzählt Christian Staab dankbar.

Wieder arbeiten können

Inzwischen lebt Christian Staab mit seiner Lebensgefährtin im eigenen Haus. Der behindertengerechte Neubau wurde aus Mitteln der LBG genauso gefördert wie das umgebaute Auto und die Wiedereingliederung in das Berufsleben. „Wieder arbeiten zu können war für mich besonders wichtig. Ich wollte etwas leisten, wollte raus und wieder unter Menschen.“  Die Arbeit im Garten- und Landschaftsbau schied aus, eine Ausbildung zum Bürokaufmann war jedoch eine Alternative. „Im Büro zu arbeiten war nie mein großer Wunsch“, sagt Christian Staab. Jetzt bot diese Arbeit ihm aber die ideale Möglichkeit, wieder ins Berufleben einzusteigen. „Die LBG hat mich hier, wie auch in allen anderen Belangen, sehr unbürokratisch unterstützt und die Kosten für die Umschulung und für die Ausstattung von zwei behindertengerechten Arbeitsplätzen übernommen.“ Vier Stunden am Tag erledigt Christian Staab in einer Integrationsfirma aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau nicht nur alle anfallenden Bürotätigkeiten, er kann dort vor allem auch sein Fachwissen als gelernter Gartenbauer einbringen.

Durch Unfall stärker

„Ich habe auch heute noch Durchhänger – wer hat die nicht? Aber der Unfall hat mich insgesamt stärker gemacht“, bilanziert Christian Staab. „Ich weiß, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Ich lebe heute bewusster, setze mir Ziele, möchte fit bleiben, möchte immer besser werden.“  Staabs Blick geht nach vorne: „Ich will weiterkommen im Leben.“

Basketball
"Ich will fit bleiben", sagt Christian Staab
Staab mit Lebensgefährtin und Hund
Christian Staab mit Lebensgefährtin und Hund

 

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